Bin ich schon wieder bei ihr? — Aber es ist ja ein dummes Ding.
Dein treuer Knecht.
Nach Schluß des Blattes. Du fragst, was das für ein Sprachstil wäre, dessen ich mich in meinen Briefen befleißige. Möge dein ästhetisches Urteil mir gnädig sein — es ist der Dreschflegelstil. Mit starren Gliedern und vollem Herzen schlägt man nicht die schöngewundenen Spaziergänge durch den Rosengarten der deutschen Kunstsprache ein. Da geht’s gerade aus durch Strupp und Strauch. Wäre Goethe anstatt Minister Bauernknecht gewesen, es möchte auch der Goethestil ein Flegel- oder Heugabelstil geworden sein. Und nächstens soll’s gar an den Mistgabelstiel gehen.
Zwölfter Sonntag
Am zwölften Sonntage.
Eine pathetisch veranlagte Natur würde von Herzenstakt und Charakteradel zu sprechen haben. Ich sage bloß: Seelengute Leuteln!
Mit Ausnahme der reschen Hausmutter, die bisweilen Salz in die Butte streut, ist in diesem Hause alles voller Sanftmut und Rücksicht gegeneinander. Wird der Vater von seinem Lungenkrampf geplagt, so ist alles um ihn bestrebt, Erleichterung zu schaffen; doch ein paar Gramm Hexenkraut vermögen mehr, als die ganze Liebe. Wenn aber die Marenzel ausbleibt mit dem Hexenkraut! Das alte Weib ließ merken, daß es beleidigt worden sei und blieb aus. Nun zerbrachen wir uns alle den Kopf, worin denn die Beleidigung bestanden haben könne? Die Hausmutter erinnerte sich, das letztemal der Marenzel die Einbrennsuppe anstatt auf den Tisch, nur auf die Bank hingesetzt zu haben, denn der Tisch war mit Flachssträhnen vollbelegt gewesen. Oder hatte der Franzel ihr Dachshündlein beleidigt? Er sagte nämlich „Hund“ zu ihm. Der Hausvater hatte in ihrer Anwesenheit, als draußen ein Regenschauer niederging, scherzeshalber den Ausspruch gethan: „Wenn’s in die Sonn’ regnet, thut der Teuxel seine Großmutter auf die Bleich legen.“ — Sollte das die Marenzel schief genommen haben? Denn das soll eine sein, die alles, was Übles gesagt wird, gleich auf sich bezieht. Also sie kam nicht, im Hause war kein Hexenkraut und dem armen Manne sprengte es fast die Brust. So wurde endlich der Rocherl ausgeschickt, die Marenzel zu suchen. Er fand sie bettelnd im Thale mit ihrem kleinen roten Dachse, den sie stets im Korbe bei sich trägt. „Liebeste Marenzel,“ soll er gesagt haben, „heut’ thäten wir wieder einmal buttern daheim, wenn du kosten möchtest kommen. Die Mutter sagt schon, daß der Butter dasmal wieder so süß ist, und wenn nur die liebe Marenzel thät kommen!“
„Ist gut,“ antwortete die Alte, „will kein Stein sein, wenn mir die Leut’ gutweis kommen!“ und kam neben dem Rocherl den Berg heraufgetorkelt. Sie that ihren breitkrämpigen Filzhut ab, wendete das kleine runzelige und fast kahle Köpflein rasch in der Stube nach allen Seiten hin, ob nicht irgendwo sich ein Feind zeige. Dann schlenkerte sie ihren wulstig geflickten Kittel aus und fragte einigermaßen bissig: „Wo darf man denn niedersitzen?“