„Wo du magst, wo du magst, Marenzel,“ drauf die Hausmutter, „’s ist ein rechtes Elend bei uns. Den Vater hat’s wieder so viel aus der Brust.“

„So! Halt das Frühjahr. Thut’s nur Achting geben. Der Bauer thut im Herbst fexnen und der Rippenmann im Frühjahr.“ Und vom Kraut sagte sie nichts.

Als sie im Korb ihr Hündlein zurecht gebettet hatte mit allerlei zärtlichen Koseworten, als sie ihm Milch und Butter zum schlecken vorgelegt und selbst schmatzend das ihr dargereichte Butterbrot abgethan hatte und sich hierauf sorgfältig die dürren Finger an einem Lappen rieb, trat endlich die Hausmutter vor mit ihrem „Gebitt“ um Hexenkraut.

Da begann die Alte langsam ihren Hals nach vorn zu strecken. Die Glotzäuglein traten hervor. Die auf den Stock gestützte Hand begann zu wackeln.

„— — Adamshauserin! Mir scheint, Euch ist nit um’s arme Leut zu thun, daß es soll Butter kosten. Mir scheint, das Hexenkraut ist’s. Meine liebe Bäuerin, das hätt’ Euer Bub früher sagen sollen. Ich hab kein Kraut bei mir.“

Weil ich zufällig anwesend bin, so kommt es mir in den Sinn: Wart’ Alte, deinen Bettelhochmut wollen wir dir austreiben.

„Hausmutter“, sage ich, ohne scheinbar der alten Marenzel zu achten, „wenn der Vater wieder an Atemnot leidet, da weiß ich ein Mittel, das hilft gewiß. Hundefett, von einem roten Dachshund. Gar nichts Besseres für Brustleiden! Da brauchen wir nicht erst ein stinkendes Hexenkraut.“

Den Haßblick von der Alten, den möchte ich mir in Spiritus konservieren lassen, wäre der Mühe wohl wert! Und dann hat sie ausgepackt. Hexenkraut so viel, daß man damit alle Hexen und Kurpfuscherinnen vom Almgai hätte zu Tode räuchern können. Auch frisches Schusterpech für die Schußwunde: „Wenn nit der abnehmend’ Mond schon zu viel draufgescheint hat, so wird es das Blei schon herausziehen.“

Nachher, als sie fort war und der beräucherte Hausvater sich wieder erleichtert fühlte, habe ich Vorwürfe bekommen. Das thät er nicht gern hören, daß in seinem Haus das Heilkraut so verspöttelt würde. Man müsse dem lieben Herrgott lieber danken, daß er’s wachsen lasse. Und was solle das heißen, mit dem Dachshund? Das Hündel würde man ihr doch gönnen mögen, der armen Haut. Sei eh noch eine gute Tugend an ihr, daß sie ein Herz zum Tier habe.