Dann „der abnehmend’ Mond?“ — Die Schußwunde des Rocherl ist es, aus der gleichsam die ganze Familie blutet. — Und ihr anderes Leid ist der Soldat in der weiten Welt, der Valentin.
Seit Wochen erwarten sie seinen Urlaub. Zu Weihnachten hatte er eine Photographie geschickt; die hat der Rocherl zu den Bildern des Hausaltars hinaufgehangen und der Vater hat sie wieder herabgenommen.
„Man denkt beim Beten so schon zu viel an den Buben; und wenn erst gar noch das Bildel vor Augen hängt! Wenn sie auch immer einmal gemartert werden, die Soldaten — Märtyrer ist er halt doch noch keiner, daß man ihn zu den Heiligen könnt thun.“
Des Hauses Stolz ist der kleine Franzel. Der Schullehrer hält nämlich von dem Knaben große Dinge. Es ist die Rede davon, daß er nächst’ Jahr in ein Seminar soll. Wenn du einmal nachdenkest, woher die klerikalen Kämpen und heißglutigen Priester kommen, die ebenso entschieden Weltgeschichte machen, als andere Mächte — aus dem Bauernhause kommen die meisten. Unverbrauchte Erdkraft ist in ihnen. Daran denkt das alte Menschenpaar im Adamshause freilich nicht. Ihr höchstes Erdenziel wäre das, einstmals im schneeweißen Haar dem Meßopfer des eigenen Kindes beiwohnen zu können.
Der Augapfel dieser Leute, ihr Herzblatt und ihre zitternde Freude ist —. Sagen thut’s keines, anmerken thut man’s jedem. Wenn die Barbel nicht da ist — wo ist sie denn? Wenn sie im Stalle Streu hebt oder vor dem Hause Holz schichtet — ist es wohl nicht zu hart für sie? Wenn sie bei Tisch den Löffel weglegt — was ist dir denn, Kind, daß du nit magst essen? Und hast wohl genug warm bei der Nacht, Barbel? Und thut dir wohl nichts weh, Barbel?
Am Josefitag, während das Mädel in der Kirche war, habe ich ein Gespräch gehört zwischen dem Adam und seinem Weibe, das mir zu denken giebt. Sagt sie zu ihm: „Ich weiß nit, Adam, mir ist immereinmal so hart.“
„Warum denn, Mutter?“
„Das weiß ich halt selber nit.“
Machte er sein schalkhaftes Gesicht: „Wenn dich was druckt, Alte, da weiß ich dir einen guten Rat. Vor Zeiten wärest du selber draufgekommen.“
„Du meinst, daß ich für die armen Seelen im Fegfeuer ein Vaterunser beten sollt’?“