„Ein Frevel, das auszusprechen!“ rief der Lehrer entrüstet.
„Darüber müssen Sie einen andern zur Rechenschaft ziehen. Den, der die Menschennatur so und gerade so gemacht hat.“
„Der natürliche Mensch ist Nomade und nicht Schollenhocker.“
„Und der Kulturmensch kann nur bestehen und sich vervollkommnen, wenn er an den Boden genagelt ist. Und daß der Boden, der Heimatsboden, ewiges Eigen eines und desselben Volkes bleibe, darum handelt es sich vor allem bei diesem Weltkampfe.“
„Wenn es also gerade auf diese Heimständigkeit ankäme,“ warf der Lehrer ein, „dann müßte ja der berufsmäßige Schollenmensch, der Bauer nämlich, der größte Kulturmensch sein!“
„Und wenn er es wäre! Und wenn das Landleben inmitten all der Bedingungen, die des Menschen Bedürfnisse decken, ohne ihn zu verwöhnen, zu erschlaffen, wirklich eine höhere Kultur wäre? Höher als etwa das Fabriksleben mit seiner socialen Not und Unzufriedenheit; als das Kaufmannsleben, das rastlos die Güter der Welt hin- und herschiebt, damit die Reichen aller Länder übersättigt werden können von den Produkten, bei deren Herstellung die Mehrzahl der Menschen Mangel leiden und verkommen muß!“
Mit einiger Verblüffung schaute mir der Lehrer ins Gesicht.
„Und deshalb,“ so schloß ich meine Betrachtung, „kann man’s nicht verstehen, warum in unseren Tagen der angestammte Kulturmensch seinen Boden verlassen soll und ihn wirklich verläßt! Und wie sogar Dorfschullehrer dazu die Hand bieten können! — Nein, der Bauernlehrer soll seinen Kindern Tag für Tag das Vaterunser und den Erdsegen vorbeten.“
Hierauf er: „Sind wir Lehrer dazu da, daß wir Bauern machen? Wir unterrichten die Kinder, damit sie, der Zeit gewachsen, ein gutes Fortkommen finden können.“
„Fortkommen! Ja, Donnerwetter, wohin denn? Ich glaube fast, Herr, Sie wollen mich ärgern mit Ihrem Witz!“