„Es geschieht auch, wenn sie dableiben,“ sagte der Lehrer. „Es geschieht, weil es geschehen muß. Und da möchte man doch die intelligenteren Kräfte möglichst auf einen besseren Boden retten, ehe sie in den Einöden verkommen und elendlich zu Grunde gehen.“

„Ich habe selbst einmal ähnliches geschrieben,“ sagte darauf der zugereiste Bauernknecht übereilt. „Das heißt, wie man so seinen Freunden schreibt. Aber jetzt denke ich anders. Das Geheimnis der Scholle! Die Heimatserde!“

„Heimatserde,“ sprach der Lehrer auflachend. „Das sind alte Sachen. Für den Trödelmarkt.“

„Ist das Ihr Ernst? Dann hätte ich, mit Erlaubnis, meine Meinung darüber. Sie haben wohl auch schon über die Nationalitätenfrage nachgedacht, die heute alle Welt beschäftigt und Reiche erschüttert. Gut. Nun sagen Sie, um was geht es denn eigentlich hier? Um Nationen? Gewiß ja. Aber noch mehr um die Erdscholle. Sie lachen, wenn Sie hören, daß die Nationalitätenfrage eine geographische Frage ist.“

Er lachte wirklich und ich fuhr fort: „Würde es sich bloß um die Nation handeln, lieber Gott, die in aller Welt zerstreuten Deutschen könnten leicht zusammen kommen, wenn sie ihre Scholle aufgeben, ihren Erdbesitz mit Slaven oder Franzosen, die an ihrer Stelle sitzen, umtauschen würden. Ein moderner Bismarck brauchte bloß die Landkarte herzunehmen und die Völkerteile einfach wie Schachfiguren zu verschieben.“

„Das ist nicht möglich!“ rief der Lehrer aus.

„Es ist so unmöglich,“ sagte ich, „daß ein ähnlicher Vorschlag im Ernste kaum jemals gemacht worden ist. Und warum ist es unmöglich, weil die Menschen an ihre Scholle gewachsen sind, weil die Völkerfetzen an ihrer angestammten Erde kleben.“

„Sie meinen also, daß der Einzelne fester an seiner Scholle hängt, als an seinem Volke?“

„Wie Figura zeigt.“