Und der Sammel ließ es nun ein Weilchen anstehen, spähte aber an Sonntagen nach den Mädchen der Gegend aus. Die Wohlhabenden waren meist schon versprochen, weil die Mehrzahl der Burschen so liebt, wie der Sammel. Die Reichen waren hochmüthig, weil die Mehrzahl der Mädchen so denkt, als wie die Burschen: Lieb’ ohne Geld ist kein Schick auf der Welt. — Zudringlich und fügsam waren nur die Armen, die Häßlichen und die Alten. Die Marianka — die arme — wurde ganz blaß und tiefäugig vor Kränkung, und alle Gedankensünden, die sie am Osterfeste zu beichten hatte, betrafen den Grabenburschen.

Oft und oft ging sie hinaus in den finsteren Wald und hatte fromme Vorsätze und bekränzte das alte Muttergottesbild, welches an einer Eiche hing, auf die gute Meinung, daß ihr der liebe, verteufelte Sammel nicht sollte verloren gehen.

Der Sammel hütete stets seinen Schatz unter der Tanne. Nun eben ja, warum nicht?

Da sah er eines Tages im Frühling, wie der Söllerbauer auf seinen Feldern die ausgeackerten Steine sammeln und dieselben unter der Söllertanne zusammenführen ließ. — Da haben sie gut liegen, wenn sonst auch nichts will wachsen.

Bald war über den vergrabenen Silberlingen des Sammel ein breiter, hoher Steinhaufen geschichtet. Im ersten Augenblick entsetzte sich der junge Mann darüber, im zweiten dachte er: Was denn? Um so besser geschützt ist das Geld; und mir soll das ein Zeichen sein, daß ich einer Heirat wegen die schönen, alten Silbernen nicht heben werde.

Er litt Liebesnoth, schien aber an das Freien nicht mehr zu denken.

Da kam eines Tages der Fok zu ihm: „Na, Bärenhäuter, hast denn keine Schneid’ mehr? Willst die Marianka?“

„Zahlst die Hochzeit? Zahlst die Kinderschuh’?“

„Die Hochzeit, bei meiner Seel’, die zahl’ ich. Und die Kinder verliebter Leut’ gehen barfuß. Aberst — daß ich Dir’s schon sag’ — zubind’ ich ihn nicht, den Geldbeutel, vor meiner Tochter! Ist auch nicht viel d’rin, etlich’ Gulden des Jahr’s — so lang mir der Herrgott die Gesundheit schenkt — etlich’ Gulden fallen schon aus. Ein Hunderter zum Anfangen — was meinst?“