„Freilich,“ antwortete Jener, „ich leb’ ja davon, und — nimmt man’s recht, Du auch.“
„Und was denkt Er über der Leut’ Reden von vergrabenen Schätzen?“
„Narr!“ rief der rothe Fok, „wer wird denn seinen Schatz vergraben! Vor Zeiten hat man’s gethan; heutzutag braucht Jeder den seinen im Haus.“
Der Sammel war beruhigt. — Der Alte weiß nichts von seinen Silbernen in der Erde. — Er, der Sammel, kam zwar auch nicht zu ihnen, denn der Fok ist fast immer zu Weg und der Steinhaufen läßt sich heimlich nicht so leicht abtragen. — So mag das Geld in Gottesnamen ruhen bis auf spätere Zeiten. Der Graben-Sammel braucht’s jetzt ja nicht; er verdient sich, sie verdient sich und jedes Jahr kriegen sie ein Sümmchen vom Schwiegervater.
’s ist eine prächtige Ehe. Ein paar Kindlein rücken an, sie brauchen nicht barfuß zu gehen. So lieb ist’s, wenn sie mit ihrer Mutter auf’s Feld trappeln, und sie weist ihnen die Frucht, die aus der Erde herauf steigt, wo sie vor Monaten begraben worden war. Das Vöglein pickt noch Korn auf. Die Marianka ahnt nichts von einem zu tief vergrabenen Korn, das ein schlauer Vogel ausgehoben und auf fruchtbares Erdreich gebracht hat. Des Sonntags, wenn das Ehepaar in die Kirche geht, sieht es ganz stattlich aus und der Pfarrer stellt es als Muster allen Eheleuten auf. Zu einem guten Theil war es wohl der jährliche Geldbetrag, der das Glück in’s Grabenhäuschen brachte, indem er davon die Noth und den Kummer verbannt hielt. Die Leutchen arbeiteten und sparten, sowie es der Sammel gewohnt war und die Marianka gelernt hatte, und wäre das insoweit eine ganz moralische Erzählung.
Im neunten Jahre ihrer Ehe sagte der Sammel einmal zu seinem Weibe: „Was ich ein Narr war, daß ich Dich ohne Geld nicht hab’ nehmen wollen! Du bist ein treues Weib, ein arbeitsames, ein häusliches Weib, eine rechtschaffene Mutter. Du bist mein Schatz und einmal will ich Dir noch eine rechte Freude machen. Marianka, ich habe ein Geheimniß — noch von meiner Junggesellenschaft her.“
Die Marianka erschrak. Aus seiner Junggesellenschaft? Das kann was Sauberes sein. —
Der Fok war betagt geworden. Stundenlang saß er auf dem Steinhaufen und sein rothes Haar wurde fahl, und seine Wangen waren noch roth, wenn die Enkelkinder spielten am Steinhaufen zu seinen Füßen.
„Ihr Kinder,“ sagte er einmal, „was wird’s sein, wenn Euer Aehndl (Großvater) nicht mehr dasitzt auf der Wacht, wenn Euer Vater die Steine auseinanderwirft?“