Die Abelsberger Chronik.

Der Burgermeister von Abelsberg.

Das Jagdrecht ist eine prächtige Sache; aber ich kenne viele Grundbesitzer und Gemeinden, die es nicht ausüben. Es leite die Jagdlustigen von der Berufsarbeit ab — sagen sie — es verführe die Jugend zum Müßiggang, und die kostspielige Passion wäre nicht so bald mehr aus dem Kopf zu bringen; es verlocke zur Uebervortheilung des Nachbars, gar zu Diebstählen, und es koste manchem ungeschickten Schützen seine gesunden Glieder oder die eines Anderen. Und schließlich ginge bei willkürlicher Selbstbenützung der ganze Wildstand zugrunde. Sie verpachten daher das Revier und zahlen mit dem Pachtschilling ihre Steuern.

Die Abelsberger denken nicht so; sie sind viel zu liberal. Die Abelsberger haben in ihren Wäldern gejagt, so lange noch das Pulver nicht hätte knallen sollen; und sie sollten es jetzt unterlassen, da es krachen und ganz ungenirt von allen Wänden wiederhallen darf? Nein. Die Abelsberger üben das Jagdrecht selber aus. Es gibt kein höheres Fest, als wenn sie Jagdtag haben; da setzt’s Hallodria, Räusche, Püffe, Abenteuer, kurz alles Mögliche, nur kein Wildpret. Das Wildpret haben die Wildschützen in Sicherheit gebracht.

Ach, die Wildschützen, die sind eine Landplage für die guten Abelsberger. Der Gemeindevorstand — sie heißen ihn „Burgermeister“ — der Burgermeister also und sein Bursche mögen noch so streng sein — es hilft nichts. Und wollten sie die Wilddiebe alle einsperren, so — — wären in Abelsberg ’leicht die bravsten Leute die längste Zeit auf Viehhandel aus oder auf Kornkauf oder auf Wallfahrten oder auf sonst was; und so — munkelt man — könnte es sich zutragen, daß eines Tages die Kinder keine Schule hätten und daß zum Sonntag der Gottesdienst ausbliebe, weil — der Herr Pfarrer verreist.

’s ist eine böse Sach’, und der Burgermeister, ein Ehrenmann über und über, bricht in ein gräßliches Fluchen aus, wenn eine Gesellschaftsjagd schlecht ausfällt, und der ganze Gemeinderath flucht mit, daß, von den Flüchen mehr erschreckt als von den Schüssen, allenfalls ein allerletztes Häslein noch eilig über die Grenze setzt.

Jagdaufseher war der Gemeindediener, aber der Gemeindediener war nicht mehr sehr gut zu Fuß, denn im rechten Bein hatte er die Gicht, und das linke war ihm vor Jahren in Böhmen abgeschossen worden. — So war’s voreh’; dann ist’s anders geworden.

Es war weise vom Burgermeister, als er eines Tages im Rathe folgendermaßen das Wort ergriff: „Daß ich sag’, nach meinem Versteh’n: Die Jagd, verpachten thun wir’s nit; denn wegen warum? Unsere Buben werden Soldaten, die müssen das Schießen lernen!“ Patriotisch war er immer, der Abelsberger Vorstand; und dann fuhr er fort: „Aber das sag’ ich, nach meinem Versteh’n, einen schärferen Jagdwachter müssen wir haben. Ich rath’, wir lassen einen Militärsmann kommen, einen Ausgedienten; so Einer ist respectabel und kann laufen. Die Gemeindedienerei betreibt er uns auch; so Einer ist pünktlich und kostet nicht viel. Ich sag’, wir machen Ja darüber.“