„Ei, das werde ich Ihm gern bestätigen und die Abelsberger wissen ja vom Jux; aber die Schulkinder dürfen uns so nicht sehen, weiß Er, die Kinder — des Respectes wegen, versteht Er?“
„Mit Verlaub!“ sagte der Schorsch gemessen, „die Schulkinder sollen es wissen, daß in Abelsberg auch der Burgermeister eingesperrt wird, wenn er stiehlt. — Marsch!“
Mitten durch den Marktplatz trieb er den wankenden Vorstand dem Gemeindehause zu. Bald waren sie umrungen von lärmendem, höhnendem Volke. Einige Gemeinderäthe eilten herbei; vor diesen salutirte der Schorsch:
„Vermelde gehorsamst, daß ich hier einen Wilddieb eingebracht habe!“
Bei der Sitzung sahen sich die Väter der Gemeinde mit großen Augen an und murmelten: „So hätt’s uns auch geschehen können. — Der Soldaten-Schorsch ist ein prächtiger Kerl, den müssen wir bei seinem Regiment recommandiren. Abelsberg ist für ihn kein Platz.“
Und am nächsten Tage ist der Rehbock verzehrt worden im Festsaale des Gemeindehauses. Noch lange werden die Abelsberger von ihrem Burgermeister sprechen, „der sich herabgelassen, auf eigene Rechnung und Gefahr die Rechtschaffenheit eines Jagdwachters zu erproben“.
Der Burgermeister ist mit solcher Lösung zufrieden.
Der Brückenwirth zu Abelsberg.
Der Brückenwirth zu Abelsberg war ein etwas heruntergekommener Mann; nicht sowohl weil er früher oben auf der Hirschau das große Bauerngut besessen hatte und jetzt herunten an der Brücke Haus hielt, als vielmehr weil das Hirschengut voll Reichthum gewesen war, während das Brückenwirthshaus halb im Wasser und ganz in Schulden stak.
Das Wasser thut’s freilich nicht, würde Martin Luther gesagt haben. Ich bin nicht so gelehrt, wie der Martin Luther, sage aber kühnlich: Der Wein thut’s auch nicht immer. Der Brückenwirth hatte Wein, ja sogar sehr viel Wein getrunken, aber für ihn lag im Weine nicht die Wahrheit, sondern die Armuth.