Herabgekommen, blutarm, voll von Schulden, Saufaus! das waren so die Bezeichnungen, unter denen der Brückenwirth schmachtete. Ja, schmachtete! Wie konnte er so viele Schulden haben? Seit er den Hirschenhof verkauft und das Wirthshaus gepachtet hatte, wollte ihm kein Mensch was borgen. Ihm fehlte nur Eins, um ein wohlhabender Mann zu sein — der Credit.

Der Kaufmann in Abelsberg hatte kein anderes Capital, als den Credit, aber der betrieb sein großes weitverzweigtes Geschäft, das trug ihm Zinsen und er war ein reicher Mann, eine Stütze der Gemeinde, ein Förderer der Künste, ein Weltmann, der lebte und leben ließ. Der Brückenwirth wußte, daß er um keinen Heller weniger besaß, als der reiche Kaufmann, daß er aber trotzdem ein Bettler war. Solches legte er sich so nahe an’s Herz, daß er vor Schwermuth in eine harte Krankheit verfiel.

Dem Arzte vertraute er’s, daß die Welt doch schön sei, und daß er nichts so ungern thue, als sterben. Der Arzt versetzte, er solle daran nicht denken, er, der Doktor, wolle seine Schuldigkeit schon thun.

Aber der Nachbar war da, der ließ bei dem Kranken anfragen, welche Sorge er — der Brückenwirth — getroffen hätte, daß er — der Nachbar — zu seinem letzt’halbjährigen Pacht käme.

„Ich habe für Alle Sorge getragen,“ sagte der Brückenwirth mit schwacher Stimme, „wenn ich nur nicht Alles, aber gar Alles auf die letzte Stunde verschoben hätt’! — Ist er denn nicht da?“

„Wer?“ fragten ihn die Anwesenden.

„Der Notar. Den Notar will ich da haben. Und daß er Tinte und Feder mitbringt.“

Der letzte Wille also! Der Notar läßt nicht auf sich warten, und Tinte und Feder hat der Mann immer im Sack. Zeugen lassen sich auch finden; ganz Abelsberg wollte dabei sein, um zu hören, was denn der Brückenwirth für eine Hinterlassenschaft haben werde.