„Seine Schulden verschreibt er den Gläubigern,“ hieß es.

„Nur seine Gurgel möchte ich haben, die ist an ihm das Beste,“ rief ein Spaßvogel. Dieweilen machte drinnen in der Krankenstube der Brückenwirth sein Testament.

„Hätt’s lieber auch verkaufen sollen, die Liegenschaften von meinem seligen Weib,“ sagte er, „die Wirthschaft ist unter fremden Händen nicht besser geworden; alle Jahr’ einmal hinreisen, das ist zu wenig gewesen. — Nu, in Gott’snam’. Was da ist, das will ich redlich verwenden. Kinder sind keine. Sind um und um keine da. So, jetzt thu’s der Herr aufschreiben.“

Die Feder war schon lange naß gewesen.

„Die Neudorfer,“ hub der Kranke an, „die haben jetzt drei Kirchenglocken; so wollen die Abelsberger viere haben. Die vierte soll angeschafft werden. Nachher — das auch aufschreiben: Beim hintern Altar — der heiligen Magdalena thut ein frischer Anstrich noth, hat schon so viel abgefärbt, letzt’ Zeit her. — Das Schulhaus braucht ein neues Dach. Für’s Armeleuthaus will ich — daß tausend Gulden kommen sollen. Und extra eine Stiftung von wieder tausend Gulden für arme Waisenkinder aufschreiben. — Nix danken, Leut’, nix danken. Wer’s hat, der kann’s ja wohl geben, und um so lieber, wenn er fort muß von dieser Welt, und er sich den Himmel kann kaufen. — Aufgeschrieben ist’s? Nachher wär’s so weit richtig. Und — wenn sie mich auf die Bank legen, so thut’s suchen im Bettstroh....“

Er war erschöpft und schwieg. Sofort verbreitete es sich in Abelsberg und der Ortsschneider rannte von Haus zu Haus und verkündete es frohlockend: „Der Bruckenwirth — wer hätt’ sich das vorgestellt! Viertausend Gulden im Sommer (er wollte wegen Neigung zum reinen Hochdeutschen nicht sagen: in Summa) hat er zu wohlthätigen Zwecken vermacht! Ja Leut’, bei Dem seiner Leich’ müssen die Abelsberger was thun. Der große Conduct mit Musik! Nur jammerschad’, daß wir die vierte Glocke nit schon haben; aber wollen ja nichts auslassen, so geizige Leut’, ehvor sie hin sind.“ Er hielt inne, war selbst erschrocken über die Wendung seines Gedankenganges. Und die Abelsberger trafen vielseitige Vorbereitungen zu einem prachtvollen Begräbniß. Windlichter! Flor! Die Weiber flochten an Kränzen; der Schulmeister zeichnete ein Grabmal mit der Aufschrift:

„Dem großen Wohlthäter der Gemein’

Herrn Hans Michel Scherger

Widmen diesen Stein