Die dankbaren Abelsberger.“

„Wenn er nur stirbt!“ bemerkte der Schuster Ferdl bedenklich.

In demselben Augenblicke klang die Glocke auf dem Thurme.

„Verschieden!“ murmelte der Schneider und zog wehmuthsvoll seine Haube vom Kopfe.

Es war aber nur die Eilfglocke, welche die Abelsberger alltäglich um die Mittagszeit zum Essen rief.

Der Brückenwirth lebte noch; lebte sogar am Abende noch. In derselben Nacht ließ die Schusterin ihre Hausthür offen; sie war die „Leichanlegerin“ von Abelsberg. Aber sie wurde nicht geholt. Der Doctor war die ganze Nacht bei dem Kranken geblieben; trotzdem fühlte sich der Brückenwirth am nächsten Morgen besser.

Und nach vierzehn Tagen war er gesund.

Jetzt gaben sich die Leute die Thür in die Hand, um den Genesenen zu beglückwünschen; und Jeder versicherte, es wäre ihm so viel unendlich hart gewesen, dieweilen der Herr Scherger auf dem Krankenbett gelegen, und Mancher gestand, er hätte gar heimlich eine heilige Mess’ gezahlt auf die gute Meinung, daß halt die Krankheit nicht übel ausgehen sollt’, na, und weil Ein’s das nicht mitansehen kunnt, wenn der best’ Mensch von der ganzen Gemein’ hinaus auf den Friedhof getragen werden thät.

„Das habe ich gar nicht gewußt, daß mich die Abelsberger gleichwohl so viel gern haben,“ sagte der Brückenwirth. Aber jetzt erfuhr er’s mit tausend Freuden, wie gut es ihm die Leute meinten, wie sie ihm beisprangen in Allem mit Rath und That. Das Brückenwirthshaus war nun stets besucht, der Wirth geehrt. Bei der nächsten Wahl wurde er Gemeinderath. Da das Geschäft besser ging, so zahlte er allmählich seine Schulden. Die Gläubiger wollten das Geld kaum nehmen: sie wüßten es nirgends so gut aufgehoben als beim Brückenwirth.

Oft bei verschlossenen Thüren las der Wirth sein Testament. — Na, es war ja recht: wenn die Abelsberger eine vierte Kirchenglocke haben wollen, so soll eine angeschafft werden; der Magdalena thut ein Anstrich noth; es schaut schon gar überall das Holz aus ihr hervor. Das Schulhaus braucht ein neues Dach — es ist ja wahr! und wer wollte nicht, daß das Armenhaus tausend Gulden bekäme und so auch die armen Waisenkinder? Wer’s hat, der kann’s geben. Suchen mögen sie, wenn er auf der Bank liegt, suchen im Bettstroh....