Der Bürgermeister wollte diese Leute, die das schöne Fest so jämmerlich verdorben hatten, in den Kotter stecken lassen. Das ließ der Rath Hufschmied nicht gelten. Das Betteln, sagte er, sei zwar in Abelsberg verboten, aber vom Mauthbalken auswärts sei es von jeher erlaubt gewesen.
Der Schelm!
Er ist aber später Vorstand geworden.
Die Abelsberger Touristen.
Wie nur plötzlich die Natur so schön geworden ist! Erst seit etlichen Jahren. Es lebten wohl auch früher einzelne Leutchen, die einzelne Gegenden „wirklich romantisch“ fanden; heutigentages aber sind alle Wälder und Berge so herrlich! Und der Sonnenaufgang!
Wer hätte das vor dreißig Jahren vermeint, daß auch der Sonnenaufgang Mode werden sollte!
Mode! O du heilige Welt Gottes, vergieb mir dieses Wort. Aber du weißt es ja doch selber am besten, wie Wenigen, die doch deine ewig großen und lebendigen Pfade gewandelt, es einst eingefallen ist, dich seligen Herzens zu bewundern, dich anzubeten. Wohl, es mögen die lieblichen Bilder deiner Gärten und Auen, deiner Frühlingstage und Sommernächte zu allen Zeiten Beseligung in dem Menschengemüthe wachgerufen haben; vor dem Brausen des Sturmes, vor dem Ernste der Einsamkeit, vor den Gewalten des Hochgebirges aber sind die Kinder der Welt zurückgeschaudert, wie vor einem übermächtigen Feinde.
Und heute — je wilder die Gegend, desto schöner; natürlich, wenn gute Wege in derselben angelegt sind und comfortable Wirthshäuser. Zarte Frauen mit ihren zarten Kindern steigen heute auf Berge, auf denen sonst nur der Gemsjäger und der arme Kräutersammler geklettert; es geht prächtig; und wenn eine Eisenbahn schnurstracks den Berg hinanläuft, um so besser. Oben steht gar ein Hotel, da ißt und trinkt man, schreibt sich in’s Fremdenbuch und findet Alles unvergleichlich.
Weil im neunzehnten Jahrhundert die Natur denn gar so schön geworden!
„Touristen!“ Die Sache ist so schnell gekommen, daß die deutsche Sprache gar kein Wort dafür in Bereitschaft hatte und bis heute noch keines hat. Ja, gewiß, Sommerfrischen, Gebirgspartien, Touristen — das sind Modesachen. Vorläufig noch. Wir werden die Natur einst wirklich suchen, nicht blos an heiteren Sommertagen, sondern auch, wenn sie finster blickt und grollt, auch wenn sie in der ehernen Majestät des Winters ruht. Denn wir werden unsere große, heilige Mutter lieben und insgeheim an ihren Busen fliehen aus dem Drange der Welt.