Nun gab’s ein paar Tage lang Arbeit über Arbeit. — Den Rastelbinder brauche man eigentlich nicht dabei, bedeutete man dem Vorstand, denn es wäre keine einheimische Figur, die käme nur so zu gelegener Zeit aus Schlovakien daher. Aber der Handel und Wandel des Landes müsse zum Ausdrucke kommen, daß die Majestät ein vollständiges Bild von dem Leben und Treiben der Bevölkerung gewinne. Es wäre nur zu verhüten, daß nichts dabei vorkäme, was auf den Landesvater einen unangenehmen Eindruck machen könne.

Und am vierten Tage sollte die Durchfahrt des Kaisers Franz stattfinden. Des alten Kaisers Franz, der noch auf keiner Eisenbahn fahren konnte, der im Gerüttel seiner Wagen, im Ceremonientaumel seines Gefolges, im plebejischen Staube der Straßen über Land reisen mußte, wollte er die Zustände seines Reiches prüfen und von seinen treuen Völkern einmal Huldigungen entgegennehmen.

Er hatte Feste und Aufzüge, ihm zur Ehr’ gebracht, nicht ungern, denn für gar Manches war ihm das Bewußtsein seiner Kaiserwürde eine hohe Genugthuung.

So bewegte sich um 11 Uhr des 28. August die Wagenburg gen Abelsberg heran. Eine halbe Stunde vor dem Städtchen begannen die Wunder. Auf dem Felde ackerten Bauern und säeten Korn; gleich daneben klangen die Sicheln der Schnitter, die Sensen der Mähder und die Arbeiter hatten ihre bunteste Sonntagstracht an.

Am Berge war ein Stollen, aus welchem flinke Knappen reines Erz schafften, und ein paar Eisenhämmer schmiedeten Sensen, Pflüge und Schwerter. Im Wäldchen jodelte der Holzhauer und hallten stürzende Bäume. Der Hirte trieb eine Heerde schöner, bekränzter Rinder über die Au, die Sennin molk unter dem Schatten einer Tanne ihre Kuh und der Jäger schoß gerade im Augenblicke, als der kaiserliche Wagen herankam, einen ausgestopften Auerhahn vom Lärchbaum. Das Wunderbarste aber waren die Obstbauern, welche von alten Holzbirnbäumen die feinsten Butteräpfel schüttelten, und die Winzer, welche aus Erlen- und Weidengebüsch Trauben schnitten. Es ging nicht anders, und wenn das ganze Land zusammengerückt sein sollte auf etliche Joch oberländischen Grundes, so mußte das Erz wohl einmal im eitlen Sand und der Wein auf Weidenstäben wachsen. So unerhört fruchtbar war der Boden bei Abelsberg, und der Obersthofmeister schrie dem Kaiser zu: „Eure Majestät, aber das ist ja prächtig! Was Eure Majestät für ein Land haben!“

Seine Majestät, höchst erfreut von dem fröhlichen Aufzuge, wollte den Ortsvorsteher sprechen. Noch dauerten an beiden Seiten der Straße die Vorstellungen; auch ein Hochzeitszug und ein Taufgang war dabei und Volkslieder wurden gesungen und zum Schlusse, dort wo die bekränzte Mauth prangte — kauerten etliche Krüppel, ein Cretin und ein paar zerhauene und zerschossene Militärs mit Weib und Kind im Straßenstaub und wimmerten mit aufgehobenen Händen um Almosen. Denen war’s Ernst.

Der Hof stutzte sehr — gar sehr stutzte er über eine solche durchaus nicht anspruchslose Pointe der Festlichkeit — und nach dem Ortsvorstande, der mit seinem Rathe auf dem Marktplatze tief geknickt stand, wurde nicht mehr verlangt.

Vor dem Thore des Posthauses standen sechs streuende Blumenmädchen, aber die Wagen rollten vorüber und hielten nicht in Abelsberg.

Der hohe Rath war aus Rand und Band. Das Bettelgesindel verhaftete er sofort; aber der Cretin grinste und die alten Krieger mit ihren elenden Familien meinten, sie hätten gehört, daß das ganze Land bei dem Aufzuge vertreten sein sollte, und da hätten sie gedacht, die viele Armuth, die da sei, gehöre so zu sagen auch zum Lande, sie hätten des Weiteren gerechnet auf etliche Silberbatzen oder einen warmen Löffel Suppe, was freilich eine ganz verfehlte Rechnung gewesen wäre.