„Aber was! Ich hab’ noch keinen blassen Nebel davon,“ rief der Hirschenwirth, „ist Dir was eingefallen, Vorstand?“

„Bei einem Haar wär’ mir was eingefallen,“ berichtete dieser, „just ein klein bissel ist mir die Nacht zu kurz worden. Die ganz’ Nacht hab’ ich mich zerstudirt, daß mein Weib schon toll ist worden, und g’rad wie mir was will in den Kopf kommen, geht der Morgenstern auf, und aus ist’s, gar ist’s mit dem Simuliren.“

„Darf ich reden?“ fragte der Färbermeister.

„So viel Du willst,“ sagte der Vorstand, „ich weiß eh nichts mehr.“

So sagte der Färber: „Was werden wir denn machen? Ich denk’, so ein Volksfest richten wir her; die Oberziller Musikbande, den Zitternschlager-Maxl, einen Triumphbogen da oben bei der Mauth, ein Paar Baumkraxler, ein paar rinnende Weinbrunnen und wenn sie kommen, daß ein feister Ochs niedergeschlagen wird auf dem Platz!“

Die Idee war groß, er blickte in die Runde des hohen Rathes. Aber der Rath Hufschmied stand auf und sagte: „Das ist nichts, das hat sie hundertmal schon gesehen und besser, als wir’s zuweg bringen. Das Triumphbogenbauen ist keine Kunst, wo so viel G’reisig zu Handen ist, als wie bei uns, und das Ochsenniederschlagen auch nicht. Wir müssen in die Zeitung hineinkommen! Wir müssen was machen, was die Majestät noch nicht gesehen hat, was Kopf und Fuß hat und was den Abelsbergern Ehr’ macht. — Na ja, versteht sich, daß ich was weiß. Unser Volk im Feiertag, in seinen Lustbarkeiten vorstellen, auf das halt’ ich nichts; die Herrschaften, wenn sie nie was Anderes sehen, thäten ’leicht glauben, hierzuland hätten wir alleweil Sonntag. Bei ihrer Arbeit muß man den Leuten zuschauen; das wird die hohen Herrschaften unterhalten und sie lernen was dabei. Desweg sag’ ich, daß wir da ober Abelsberg an beiden Seiten der Landstraße in Gruppen die Arbeiter, als den Landmann, den Handwerker, den Jäger, den Halter, den Holzhauer und wie sie halt alle sind, mit ihren Verrichtungen aufstellen — und wenn die Wägen kommen, sollen die Leut’ flink arbeiten. Das ist mein Rath.“

Der Mann, der die Schrift führte, wollte sofort in die Chronik schreiben, daß am 24. August des Jahres 1828 nach Christi Geburt im Rathe zu Abelsberg eine gescheite Rede gehalten worden wäre. Der Vorstand nahm nun das Wort und sagte: „Ich halte nichts darauf, daß unser Volk allemal im Feiertag und Lustbarkeit da ist. Die hohen Herrschaften lernen nichts dabei. Den Leuten muß man bei ihren Arbeiten zuschauen, und so ist meine Meinung, daß da oben an der Landstraße Arbeitsleute aufgestellt werden sollen: der Bauer, der Schlosser, der Rastelbinder und wie sie halt alle nacheinander her sind — und daß sie fleißig arbeiten, wenn die Wägen vorüberfahren. — Sein die Manner mit mir einverstanden?“

„Vorstand!“ rief ihm der Rath Schneider zu, „für das wirst Du Baron!“

Der Hufschmied machte ein langes Gesicht. Der Vorschlag des Vorstandes wurde angenommen. —