„Vor Banditen fürcht’ ich mich gar nicht, gelt?“ sagte Thomas, als er so neben mir auf dem Esel wackelte. Er wollte fragen, ob er wohl Recht habe, daß er sich nicht fürchtete.
„Und wenn Einer kommt, meiner Seel’, ich schlag’ zu!“ er hob seinen Regenschirm, setzte aber beruhigt bei: „Na, so leicht kann nichts geschehen, es sind unser Fünfe.“
Mein Esel warf ihm einen dankbaren Blick zu.
Wir ritten zwischen berankten Gartenmauern hin und durch ein Wäldchen von Obstbäumen und an Weingärten entlang. Der Morgen graute und die schwarze Masse des Berges vor uns stach deutlicher von dem Himmel ab. Wir bogen nördlich und sahen hinaus über das Meer, auf welchem in der Dämmerung wie vor der Schöpfung Nebel und Wasser noch nicht gesondert schien. Da kamen wir über braune, schrollige Lavaströme — hier stieg mein Thomas zum erstenmale ab, befühlte den rauhen, schründigen Boden und schüttelte den Kopf.
„Wie könnten das schön fruchtbare Auen sein,“ sagte ich, „aber der Vesuv!“
„Ueberhaupt,“ entgegnete mein Landsmann, „das italienisch Land ist nicht das, was der Leut’ Reden daraus macht. Was, südlicher Himmel! Der ist auf unseren Bergen just so blau und rein! Die Sonne hier scheint gar nicht heller, aber heißer wie daheim, und das — halt, Eselein, schmeiß mich nicht ab! ’s ist aber auch ein verdrumpfter Weg in diesem italienischen Paradies, ’s giebt überall so viel Steine, wie bei uns daheim, und Heiden und Sümpfe und Nebel. Wein wär’ schon recht, wenn er nicht warm wär’; die Feigen wären süß, wenn man sich damit nicht den Magen verderben thät. Und sonst auch, im Brot ist kein Salz, in der Suppe kein Schmalz, und Knödel ist schon gar keins zu sehen. Jetzt, frag’ ich, was ist das für ein Land?“
Mein Thomas war bei diesen Worten so böse geworden, daß er seinem Esel Eins in die Weichen gab.
„Und doch,“ versetzte ich seiner Rede, „soll Italien das Wunderland sein, wo ein offenes Herz und ein offener Sinn auch das schönste Ideal durch eine noch schönere Wirklichkeit übertroffen findet.“