Ich lauerte noch ein wenig. Da hub er behäbig an, seine Aermel zu zerren, zog den Rock aus, daß er in seinen weiten Hemdärmeln, mit seiner schwarzen Weste, die eine Reihe mächtiger Silberknöpfe und eine schwere, thalerbehangene Uhrkette trug, und mit einem breiten, weiß ausgenähten Ledergurte dastand. Nun war für mich kein Zweifel mehr — ein Landsmann. — Zu allem Ueberflusse hörte ich ihn noch brummen: „A Viehhitz’ das, und bis in die spat Nacht eini!“ Darauf sehr laut und immer mit den Händen fuchtelnd zum braunen, verschmitzt lächelnden Italiener: „Na, so versteht’s denn wahrhafti nit Deutsch? Auffi, da auffi möcht’ ih!“ Er deutete gegen den Vesuv, über dessen Spitze ein leichter Rauch zog. Ein Redeschwall brach los aus dem Munde des Cicerone, aber ein wälscher Redeschwall; und mein Landsmann schüttelte das Haupt und wollte weiter trippeln.

Da rief ich, auf ihn zueilend: „Vetter, grüß Gott!“

Zuerst war er einen Augenblick verdutzt, dann aber schrie er, die Hände ausbreitend: „Jessas, Jessas, das — ja, das ist ja wieder einmal an ordentlicher Mensch — a Landsmann! — Freili, freili — na, ih trau mir’s z’sagen: o fett’s Paar Ochsen kunnt mir die Freud’ nit machen! — Grüß Ihna Gott! Sag’n S’, Landsmann, sein S’ a z’weg’n dem da kemma?“ Er deutete gegen den Vesuv.

Das war das Finden und Binden — er schwur mir ewige Freundschaft. Wir gingen in eine Osterie, dort erzählte er mir seine Lebensgeschichte und sein höheres Streben nach dem feuerspeienden Berg, wie er sich wundere, daß dieser weltberühmte Berg grün und grau wie alle anderen Berge still dastehe, nicht ringsum glühe und kaum ein Rauchwölklein habe — wie es sich schier nicht des weiten Weges lohne, wie er den Berg aber trotz alledem morgen mit dem Frühesten zu besteigen gedenke.

Ich hatte auch dieselbe Absicht, und so beschlossen wir, zusammen die Partie auf den Vesuv zu machen.

Ich habe nie noch einen glücklicheren Menschen gesehen, als meinen Viehhändler an demselben Abend.

„Heut’ zahl’ ich Alles!“ rief er wiederholt, seine schweren Fäuste mit den Hemdärmeln auf den Tisch schlagend; und wie sein Antlitz so lachte und leuchtete, da war es Vollmond in der Weinstube.

Am andern Morgen — es lag noch Finsterniß über den Wassern — war es meines neuen Reisegefährten Erstes, daß er mir zeigte, wie er seinen rothen Regen- und Sonnenschirm praktisch zu einem Bergstock eingerichtet habe. Dann sagte er ernst und ergriffen: „Also heute! Heute! Und das Paraplui da heb’ ich mir auf zum ewigen Andenken!“ Der gute Mann fühlte sich verpflichtet, angesichts seines großen Zieles möglichst hochdeutsch zu sprechen.

Wir fuhren bis zum nächsten Städtchen Resina. Dort nahmen wir zwei graue Esel und einen braunen Führer und begannen die Wanderung aufwärts.