„So wünsch’ ich glückselig Neujahr!“
„Hat sich schon angemeldet. Bring’ mir eine Maß auf einmal, Wirth, und da draußen vor dem Haus rastet Einer, dem schick auch einen Krug voll hinaus. Er hat’s wohl verdient, und ich bin der Zahler.“
Wenn er der Zahler ist, so wird er an seinem Tisch nicht allein sitzen bleiben müssen. Lustig geht’s her und draußen trinkt Einer den Krug aus und denkt: Das neue Jahr hebt nicht schlecht an, der Wein hat mich wieder rechtschaffen stark gemacht und jetzt, meine liebe Sau, jetzt gehen wir’s wieder an.
Lud frisch auf und hastete weiter.
Am nächsten Morgen, als der Eberhard Weisheit endlich nach Hause kam, trat ihm nichts Erfreuliches entgegen. Die Knechte stöberten in der Umgebung des Hauses herum und suchten im Schnee nach Spuren; die Hausmutter weinte, und schrie: „Meine Alte! ’s ist noch keine so feist gewesen, seit ich im Haus bin, und just die muß er mir holen. Aber wart’, wart’, Dieb, wenn ich Dich unter die Finger krieg’! Ich will Dir sagen, was im Weisheithof eine Sau kostet.“
Da fragte der Eberhard etwas befangen und unsicher, was denn los sei?
„Ja!“ rief das Weib, „mit Dir habe ich auch was zu reden! Was hast Du in den Nächten außer Haus herumzustromern? Aus dem Wirthshaus kommst, merk’ ich! So! da hast einen Denkzettel dafür! Und jetzt laß Dir sagen, daß sie uns heut’ über Nacht die beste Sau im Stall gestochen und fortgeschleppt haben. Die Spur geht über die Steinheide gegen den Kreuzweg und weiter hin hat sie der Schnee verweht. Was willst jetzt, wenn der Fasching kommt, für ein Fleisch essen, möcht’ ich wissen! Wo wirst den Speck nehmen! Na, ich sag’s: das neue Jahr hebt schön an!“
Jetzt hat der Eberhard sich einen schlichten, zweisilbigen Namen gegeben, hat sich vor die Stirne geschlagen und hat weiter kein Wort mehr gesprochen. Es ist dazumal nicht laut geworden, daß der Eberhard Weisheit in jener Sylvesternacht am Kreuzwege seinen Schweinsdieb für das reiche Jahr gehalten hatte und ihn beim Bachwirth mit Wein tractiren ließ. Aber, wenn seither die Rede ist vom Kreuzweg und was man auf demselben für Offenbarungen haben könne, schlägt sich der Eberhard sachte seitab. Nach wie vor hält er der Väter Glauben in Ehren, bleibt in der Sylvesternacht aber hübsch daheim und sperrt den Schweinstall zu.