Wurde an diesen Tagen einmal ganz besonders höflich an die Thür geklopft. — „Sicherlich wieder so eine verdächtige Kindstauf’!“ murmelt der Pfarrer und reißt, weil er zu einem derben „Wer ist’s?“ keine Stimme hat, die Thür auf. Wird aber sofort gelassener, als er im Vorhause eine große Zahl von Männern aus seiner Gemeinde erblickt. Alle haben, wie der Herr Pfarrer erschienen, die Hüte eilig vom Kopf gerissen, sind sich mit der flachen Hand mehrmals über das Haupt gefahren, um die allweg widerspenstigen Locken zu glätten; treten hierauf in’s Zimmer und der Aeltesten Einer hebt an so zu reden:

„Wir haben schon die Grobheit, Hochwürden, daß wir gleich so uneben in’s Haus hereinkrachen. Küssen die Hand! — Und was wir halt sagen wollten —“

„Setzt Euch, liebe Leute, so viel Sessel zur Verfügung stehen,“ lud der Pfarrer leutselig ein.

„Bedanken uns; mögen schon auch stehen. Und daß wir gleich g’radweg reden — der Sonntagspredigt wegen thäten wir halt da sein. Gottswahrhaftig, Hochwürden, das ist ’mal ein wahres Wort gewesen, so recht ein Pfarrherrnwort; sakra ’nein das hat uns an’griffen. — ’s ist wohl richtig, unsere Gemein’ ist hundsschlecht über und über, ’muß eine Veränderung nehmen — wohl, wohl, Hochwürden!“

Der Pfarrer lächelte wehmüthig und flüsterte salbungsvoll: „Gott walt’s!“

„Das ist gewiß!“ sagte der Sprecher, „und wir Männer sind zusamm’gestanden und haben gesagt: Und wollt’ sich Einer schon vor der Höllen nicht scheuen, so kunnt’s doch ’leicht zeitlich einen schlechten Schick haben. Wissen uns eh schon nicht mehr aus mit den ledigen Kindern, die der Gemein’ heut’ in der Schüssel liegen und in Alterstagen wieder in der Schüssel liegen werden. Und ein Spott ist’s auch. Desweg, ’s muß eine Veränderung nehmen. — Jetzt, was mich angeht, mich selber, wie ich dasteh’, ich verbleib’ wie ich bin; thät’s nit mehr im Stand sein, daß ich in meinen alten Tagen noch ein’ Unehr’ wollt’ aufheben. — Und so“ — er wendete sich zu seinen Mitmännern — „redet jetzt Ihr Eure Sach’.“

Ein stämmiger Bursch trat hervor: „Ich dank’ mein Mädel ab, muß eh zu den Soldaten.“

Ein rothbärtiger Geselle: „Mein’ Dirn, die lass’ ich nit! Aber die Gemein’, die duldet uns nit und wir wandern aus.“

Ein behäbiger Bauer stellte sich vor den Pfarrer: „Ich heirat’ die Meine gleich auf der Stell’!“ und trat zurück.

Ein Anderer: „Thät’ meinen Schatz auch heiraten; kriegen aber nicht die Erlaubniß dazu; untreu werden will ich nicht, jetzt, was fang’ ich an?“