Beim Wiesenwirth am Zechtisch kauern zwei Männer und schnarchen. Man sieht von ihnen nur die struppigen Häupter, das eine röthlich behaart, das andere grau. Die Gesichter sind in die Aermel gepreßt. In den halbgeleerten Weingläsern, die davor auf dem Tische stehen, schwimmen ein paar ertrunkene Fliegen.

Bei einem andern Tisch, der am Ofen steht und der eigentlich eine Bettstatt ist, welche des Tages mit einer Holzdecke überschlagen eine Gasttafel bildet, sitzt ein junger Mann, der bäuerliche Kleider trägt, sonst aber recht städtisch aussieht. Er hat die Haare glatt nach rückwärts gefettet, und zwar so, daß sie in der Mitte den schneeweißen Scheitel bilden, und er trägt etwas feingekämmten Backenbart. Er scheint zu der neuzeitlichen Secte der Touristen zu gehören, welche auf allen hohen Bergen herumklettern und alle hübschen Landmädchen beunruhigen. Der junge Mann beim Wiesenwirth hat auch schon eines. Es ist die schöne Wirthstochter, die Walpa, die feurige Augen hat und jenes reiche, rothbraune Haar, das nur auf den Häuptern der Heißblütigsten und Begehrsamsten wächst.

Als die Walpa dem jungen Touristen das Weinglas vorgesetzt, hat er ihre Fingerchen erhascht, hat sie hierauf an der Hand gefaßt und weiß an ihren nackten runden Armen immer weiter hinanzutasten. Beim Grübchen des Ellbogens angelangt, jagt er ihr einen Schrei aus, denn sie ist „bremselig“. Die beiden Schläfer schlafen behaglich weiter.

Des kecken Städters weiße Hand umspannt des Mädchens Oberarm, so weit das Hemd zurückgeschlagen ist; dann will er sie niederziehen auf seinen Schoß, der heute ja in einer dicken Bockledernen steckt. Das Mädchen sträubt sich eine Weile, dann fügt es sich doch; Walpa ist schon manchem Burschen auf dem Leder gesessen. Manche Gäste haben das gern und zechen dafür um so wackerer, und der Wiesenwirth kann es seiner Tochter nicht oft genug sagen: „Nur fort handsam sein mit den Gästen und unterhaltsam — man weiß heutzutag, seit die Postwagen aufgehört haben, ohnehin nicht mehr, wie man die Kreuzer in’s Haus bringt.“

Da nun die Walpa auf seinem Schenkel sitzt, schlingt der junge Fremde — sie kennt ihn gar nicht, er ist das erstemal im Hause — seinen Arm um ihre Gestalt, beugt sein Haupt so nahe zu ihrem Gesichte, daß sein Athemhauch ihre Wangen bethaut. Dann sagt er leise das Wort: „Aber Du gefallst mir, Mirzel!“ In Steiermark, meint der Tourist, müsse jedes Bauernmädchen Mirzel heißen. Die Walpa dachte, weiß er meinen Namen nicht, so braucht er ihn auch nicht zu wissen. Nun sagte sie: „Will der Herr noch einen Wein?“

„Einen Kuß!“

Wenn Der nicht mehr als ein Seidel trinkt, dachte Walpa, so ist es nicht der Mühe werth, daß ich auf seinem Knie sitz’, und machte sich mit einem entschiedenen Ruck los. Er erhaschte sie und raubte ihr einen Kuß; sie blieb dabei anscheinend kalt, wie eine Marmorsäule. Aber aus ihrem Auge sprühte ein Feuerstrom, vor welchem dem Städter graute. Haß oder Liebe? Er wollte es untersuchen, da traten zur Thüre drei Männer ein.

„Ich komme wieder, mein Kind,“ sagte der junge, hübsche und so freundliche Städter, ihre Hand drückend und ein gutes Trinkgeld reichend, „bleib’ gesund, Mirzel, wir werden noch recht bekannt werden miteinander, Adieu, Schatz!“

Er ging und die Angekommenen traten in Herrschaft.

„Der Wiesenwirth daheim?“ fragte Einer der Dreie.