„Aber, Bauer, wo ist denn der Gregor alleweil?“
„Der Gregor? Nu, wenn er nicht auf dem Eschenbaum ist und für die Schafe Aeste herabhackt, dann weiß ich’s nicht.“
„Ja, er ist aber schon zwei Tage nicht mehr da gewesen, es wird ihm doch nicht wo was geschehen sein, Bauer?“
„Ei, nu, und wenn ihm was geschehen wär’, was geht denn das Dich an? Ich bin Bauer und ich hätt’ den Schaden, wenn er sich ein Bein gebrochen, oder den Hals; ich hab’ ihm den Lohn zu geben für’s ganze Jahr, und nicht Du! — — Wird halt bei den Löschern gewesen sein und heut’ Nacht drüben im Dorf geholfen haben — was weiß ich!“
Der Mann schlug den Nagel an die Radachse, daß es klirrte, und er sprach kein Wort mehr.
Genovefa ging traurig in den Stall an ihre Arbeit. Sie war durchaus nicht mehr jung, doch bei ihrem Geschäft noch ganz rüstig; heute aber — heute ging’s nicht. Sie lehnte die Streugabel an die Wand und ging fort. Sie war an den Werktagen noch nie so fortgegangen von ihrer Arbeit, aber heute mußte sie, und sie wußte doch nicht, wer es ihr gebot. Sie eilte über den Bach und jenseits des Thales aufwärts gegen das Gebrände. Da glühte es noch unter den Bränden und Aschen, und die Magd mußte einen weiten Umweg machen, um gegen den Dorfwald zu kommen. Sie wollte in das Dorf hinüber und den Gregor suchen. Aber als sie an die Grenzen des Brandgrundes kam, wo der grüne, frische Wald beginnt, da lag der Gregor auf dem versengten Boden. Er hielt eine Hand tief in das Moos gebohrt. Das Kleid seines linken Fußes war ihm förmlich vom Beine gebrannt, und die Haut war dunkelblau angelaufen und blutete an einzelnen Stellen.
„Jesus — aber Gregor!“ schrie Genovefa.
Der Greis schlug die Augen auf und sagte: „Das ist die Vefa, gelt?“
„Ja, was machst Du denn da? Du hast ja eine fürchterliche Brandwunde; heiliger Gott, ich geh’ schnell um Leute.“
„Das hilft nichts, Vefa, bleib’ nur da und lege kaltes Moos auf das Bein; schau, ich hab’s nicht können in die Erde bringen, die Erde kühlt so was recht ab. — Sag’ mir, wenn Du da vom Weg herauf gegangen bist, brennt es noch wo?“