„Anspeist Du mich?“ krächzte der Grübner und stürzte gegen den Tisch, wo ein Messer lag; „Teufel, ich stech’ Dich nieder!“
Aber in diesem Moment hatte ihn der Knecht am Halse gefaßt und schleuderte ihn gegen den Kachelofen, daß dieser barst und einbrach.
„Jetzt komm’ mit mir, Vefa!“ rief der Großknecht diese im Vorhause an, „komm’, wir gehen zum Dorfrichter, zum Greßbacher — bin so zornig gewesen und hab’ mir nicht mehr zu helfen gewußt!“
Indeß stand der Bauer mitten in der Stube mit blutender Stirne, und die Leute, die über den Lärm zusammengeeilt waren, standen um ihn herum und sein Weib wusch ihm das Blut mit kaltem Wasser weg und schlug dann ein Tuch um seinen Kopf. Der Mann sagte nicht ein Wort, er fragte auch nicht nach dem Großknecht. Der Großknecht hatte seine Kleider genommen und war fortgegangen; es war ihm ganz leicht um die Brust über das, was er dem verhaßten Bauer gethan hatte.
Genovefa aber blieb wie vor im Hause und arbeitete und arbeitete. Auch Gertraud blieb ihrer Gefährtin zu Liebe und von einer fremden Pfarre waren zwei neue Knechte gekommen. So ging es seinen gewöhnlichen Lauf wieder fort. Der Bauer trug lange die Binde um die Stirne und sprach wenig; nur mit seinem Weibe fluchte er und seinen Sohn schlug er, wenn ihn irgend etwas wurmte.
Da geschah im Laufe des Winters einmal ein großes Unglück. Klopfte es um Mitternacht plötzlich an der Schlafkammer des Bauers und Genovefa rief: „Steht doch geschwind’ auf, draußen im Stall giebt’s was, die Vieher röhren fürchterlich.“
Und als sie mit Lichtern in den Stall kamen, lagen zwei Kalben und eine Kuh mit ausgelassenen Eingeweiden da und verendeten. Die wilde Mastkuh war von der Kette los geworden und hatte ihre scharfen Hörner den wehrlosen Nachbarn in die Leiber gerannt. Als der Grübner dies sah, war er über alles Erwarten ruhig, nur befahl er, daß man sogleich den Gustl, der die Aufsicht über den Stall hatte, herbeibringe. Gustl hatte in der Futterkammer sein Bett, aber das war heute leer, der Stallbub’ war nicht daheim. Unter der Decke war’s noch warm, er konnte nicht weit sein. Man schrie und rief ihn beim Namen, aber er gab keine Antwort und kam nicht. Man suchte ihn in der Scheune, auf dem Dachboden im Heu, in der Wagenhütte — er war nirgends.
Jetzt erst wurde der Bauer rasend und blieb es tagelang, denn der Junge kam nicht und Niemand hatte ihn seit der Zeit gesehen. Sofort kam wieder Genovefa in den Stall, aber sie hatte nicht mehr die Freude bei den Thieren wie einst.
„Den Buben schlag’ ich todt, wenn er kommt!“ schrie der Grübner oft und oft, aber es verging der Winter, es kam der Frühling und im Grübnerhof wurde kein Todtschlag begangen. Der Sohn des Hauses blieb verschollen. Die Bäuerin hatte seit der Zeit viel geweint; der Bauer hatte nur manchmal, wenn er so in seiner Mühle auf dem breiten Steine saß, den Kopf geschüttelt und darauf recht fest in das Pfeifenrohr gebissen. — Anfangs war zu glauben, der Gustl sei aus Furcht vor der Strafe nur zum Nachbar geeilt, habe sich dann in eine angrenzende Pfarre geflüchtet und er werde sich schon wieder einstellen im Elternhause. Aber es verging der Frühling und es kam der Sommer und der Junge kam nicht zurück.