Und wie nun der ganze Hang bearbeitet war, kam der Bauer mit dem Säetuch und streute Korn in den aufgelockerten Boden. Da ist — wie er gerade um einen kleinen Felsen säete — ein Vöglein vor ihn hingehüpft und hat einige Körnlein aufgelesen. Darüber gerieth der Grübner so in Zorn, daß er einen weiten Sprung machte, um das Thierlein in den Boden zu treten; aber das war lustig auf den nächsten Baum geflattert und der Bauer hatte im Springen sein ganzes Korn auf das Erdreich geschüttet. Nach dem Säen wurde die Erde noch einmal gelockert und der Same eingewühlt — dann war es für dieses Jahr fertig.

Die Witterung war lang’ hinaus schön und die Saat ging auf und grünte noch — endlich aber kam der Winter. Die Leute zogen sich allmählich unter das Dach zurück.

Genovefa, die sonst beim Spinnen die feinsten Fäden zu drehen wußte, die im Stalle zu schaffen verstand wie nicht bald Eine, mußte heuer auf der Tenne den schweren Dreschflegel handhaben. Sie dachte oft dabei, wie Gregor bei der Arbeit so flink und heiter war und für die Winterabende allerhand Geschichten wußte. Sie, die Vefa, hatte damals auch gesungen, jetzt aber hat sie gar keine Stimme mehr und es fallen ihr auch die Lieder nicht ein. Die Lieder kämen nur so beim Kuhmelken, aber jetzt darf sie ja nicht mehr in den Stall, dort hantirt der Gustl und will Alles selbst verstehen. Die arme Magd ist ganz verwaist und einsam. Es kam die Weihnachtszeit und der Bauer ließ jeden Dienstboten vor sein Tischlein rufen und zahlte den Jahrlohn aus. Nur Genovefa ließ er nicht rufen.

Aber der Großknecht fragte den Grübner: „Was ist’s, Bauer, kriegt die Vefa nichts?“

„Das macht Dir gar nicht heiß, Bub’, Du hast Dein Sach’!“

„Aber ich will’s just wissen, kriegt sie was oder nicht?“

„Nein, sie kriegt nichts!“

„So! — Ist recht, Bauer, ist schon recht. Weißt Du, Grübner, die Leute denken sich schon lang’ was von Dir, und ich denk’ mir auch dasselbe, und ich sag’ Dir’s auch, Du bist überhaupt so Einer —“

„So Einer! Was für Einer?“

„Was Du an der Vefa thust — man kann Dir bei Gericht nicht an, das weiß ich, denn Du hast sie überredet — aber schlecht ist es von Dir! — Bauer, Du bist ein elender Schuft!“ Mit diesen Worten spie ihm der Knecht in’s Gesicht.