Der Mann rang nach Athem und brach zusammen. Als er stürzte, fiel er mit dem Arm in die scharfe Sichel — aber er gab keinen Laut von sich. Stärker war das Mutterherz; es hat wohl geweint, daß es Allen durch Mark und Bein gegangen ist, aber zusammengebrochen ist es nicht. — Für diesen Abend war es Feierabend. Die Leute zogen heim. Die Männer trugen den Bauer auf zwei Stangen.


Jetzt war es wohl recht still und traurig auf dem Grübnerhof. Den Sohn des Hauses hatten sie begraben. Die Leute sprachen noch hin und her, wie es sich doch mit dem armen Jungen zugetragen haben mochte. Er ist vielleicht durch jenen Lärm im Stalle erwacht, hat das Unglück geahnt, hat dann aus Furcht vor seinem Vater die Flucht ergriffen, ist herumgeirrt im Wald und auf dem Hang und dort am Felsen erfroren. Das war die Muthmaßung. Der Bauer lag in seinem Stüblein und hielt die bleichen Hände ineinander. Er bewegte die Lippen, aber er fluchte nicht mehr.

Der Arzt sagte: „Es hat ihn der Schlag getroffen auf dem Felde und es ist gut, daß er in die Sichel gefallen ist und viel geblutet hat, denn sonst wär’ er todt gewesen.“

Da faßte der Kranke einmal die Hand des Arztes und lispelte ihm die Frage zu: „Bader, werd’ ich noch einmal gesund?“

Was der Arzt darauf geantwortet hat, muß nicht gut gelautet haben; denn der Bauer hat sein Weib und die Vefa zu sich rufen lassen und hat das Testament gemacht.

In wenigen Tagen darauf lag der Grübner im Vorhause unter der Bodenstiege, wo vor einem Jahre Gregor gelegen war. Und der Großknecht hobelte in der Zeughütte ein Stück Holz und zimmerte ein Kreuzlein daraus. Und als er fertig war, malte er mit rother Zimmerfarbe auf den Querbalken die Worte: „Hier liegt Gallus Grübner“, und auf die Rückseite des Balkens: „Gott, gieb ihm die ewige Ruh’!“

Am übernächsten Morgen wurde die Leiche im großen Conduct unter dem Geläute dreier Glocken bestattet. Und als der Mann begraben war, gingen die Leute wieder hinüber in’s Gebrände und sichelten noch Tage lang, bis alles Korn ab war. Dann ging es in den Herbst und Winter hinein, und Genovefa arbeitete im Stall und im Haus und wo es was zu thun gab. Aber als die Weihnachten kamen und die Dienstleute von der Bäuerin ausbezahlt wurden, bekam Genovefa wieder nichts. Nun, seit dem Tode des Bauers ist sie eben keine Dienstmagd mehr, sie hat ihr Ableben auf dem Grübnerhof und wird gut gepflegt und braucht nichts zu arbeiten — so steht’s im Testament.

Aber Genovefa arbeitet doch — sie würde sonst krank, meint sie. Nur in der Erntezeit geht sie jedes Jahr an einem bestimmten Tag hinüber auf den Hang, wo immer schönes Getreide steht, und sucht am Waldrande das grüne Sterbebett ihres Gregor auf.