Auch Gratina besitzt alles das, was ein Weib dem Manne so sehr wünschenswerth macht — und so steht hier ein Leben zuvor, wie sich’s der dem Teufel Verschriebene nicht vollendeter bestellen könnte und in welchem man nebstbei noch Ehrenmann sein kann. Ein Windhauch bläst die Blüthen der Apfelbäume wie rosige Schneeflocken nieder auf den Ruhenden, der im Gedanken an die Zukunft schwelgt, so gut das eben bei einem Manne gehen mag, der nicht durch Schwärmerei zu lieben gewohnt ist.
„Anasti!“
Der Mann hebt sein Haupt und sieht zwischen Buschwerk des Gartenzauns ein blondes Mädchenköpfchen wiegen.
Suschen! Das schöne Kind des bestverachteten Mannes in St. Wolfgang. Ihr Vater ist zwar ein ehrlicher Mann, sein Gewerbe ist zwar keine Schande, aber ein Spott — er schafft die verendeten Thiere abseits. Das müssen schon die Großherzigeren sein, welche sich herbeilassen, diesen im Gemeindewesen unangenehmsten Dienst zu leisten. Meister Gottlieb war auch gar nicht gedrückt darüber. Er waltete seines Amtes und lebte. Seine zwanzigjährige Tochter Susanna besorgte ihm den Haushalt; sie stand recht gut in dem Ansehen der Leute, obwohl die Männer, denen sie gefiel, nicht recht mit ihr anzubinden wagten, sie wußten selbst nicht warum. „Die ist zu heiß!“ sagte Einer und der Andere. —
„Anasti!“ flüsterte sie jetzt über den Gartenzaun.
„Was willst denn?“ fragte sie der Küsterssohn.
„Dich will ich,“ antwortete sie.
„Warst Du heute nicht in der Kirche?“
„Freilich wohl.“
„So solltest Du’s wissen, daß meine Sach’ mit der Spornthaler-Tochter richtig ist.“