Ein kleines Mädchen wohnte im Hagerhause am Eingang in die Freisohlergräben, dem ging der Hans, wenn er von seinen Wanderungen zurückkehrte, gern zu und immer begrüßte er es mit den Worten: „Schau zum Wachsen, Frieda, Dein Bräutigam trägt schon spannlange Schuh!“
Anfangs hatte sich das Mädchen auf solche Anrede kichernd davongetrollt, später hatte es ausgerufen: „Ja, ich hab’ noch gar keinen Bräutigam!“ und endlich, wie es schon schlank geworden, entgegnete es gar nichts mehr auf die Anrede, sondern blickte auf die Erde nieder. Und da dachte sich der alte Hans: Freilich, freilich, der Mensch, ob klein, ob groß, braucht seine spannlangen Schuh! Und der Frieda seh’ ich’s an, sie hat jetzt einen Bräutigam. —
Auch dem Hans — dem Hammerl-Hans, wie ihn die Leute nannten — wird das Herz einmal geblüht haben. Ob ein Reif in der Frühlingsnacht die Blüthe versengt, ob ein Wettersturm dieselbe verweht hat, ob sie zur Frucht gediehen ist — ich vermag es nicht zu sagen; er erzählt es vielleicht mit seinen Hämmerchen auf den hölzernen Saiten und die Leute verstehen es nicht, oder vermeinen ihre eigenen Geschichten dabei zu hören.
Die Frieda vom Hagerhause hatte blaue Augen und flocht die Locken nicht. Sie war auch Ziegenhirtin, und deswegen hatte sie der Musikant einmal um den Namen gefragt. — Umsonst wollt’ sie den Namen nicht sagen, „er müßt’ ihr ein schönes Stücklein dafür spielen“. Das schönste Stückel was er kann, hatte er ihr vorgespielt. — Von dieser Zeit her ging die Freundschaft und der Spruch von den spannlangen Schuhen. Der Hans wußte gar nicht, wie es war, daß er das Kind so gern sah, und gerade wenn er bei diesem Mädchen saß, murmelte er mehrmals: „Bin wohl recht froh, daß ich wieder daheim.“
Und Frieda war doch fremder Waldleute Kind, und sie war lange, lange noch nicht tausend Wochen alt, und er — schon gebeugt und mit weißem Haar.
Als nun diese Zeit gekommen, in welcher das schlanke Mädchen den Sand auf dem Boden zählte, so oft der Hammerl-Hans das Wort vom Bräutigam sagte, betete er des Abends in seinem Bette um ein Vaterunser mehr als sonst, und mit dem Zusatz: „Auf daß sie halt sollt’ glücklich sein!“
Da trug es sich zu, daß eines Tages vom Koberwald herüber der junge Sandhauser kam, das Mädchen auf der Au bei den Ziegen stehen sah, zu ihm hintrat und das Wort aussprach: „Frieda, jetzt bin ich da um Dich.“
„Ist schon recht,“ entgegnete die Hirtin lächelnd.
„Mein Ernst! In vierzehn Tagen mußt das Herdfeuer im Sandhaus anzünden, und gehst schon heut’ mit, so ist’s mir noch lieber!“