Und am Tage darauf zog die Frieda im Sandhause ein. Da konnte es der Hans nicht mehr länger aushalten; er eilte hin und ging vor dem Sandhause so lange auf und ab, bis Frieda ihn bemerkte, zur Thür heraustrat und ganz leise, als käme ihr das Wort noch gar nicht zu, Folgendes sagte: „Grüß Euch schön Gott bei uns. Geht in’s Haus und rastet ab!“

Da ergriff der Alte ihre Hand: „Dich muß man so viel gern haben. Der lieb’ Herrgott segne Dich! Der lieb’ Herrgott segne Dich!“

Dann trat er in’s Haus und lehnte den Kasten, in welchem sein Holzinstrument eingeschlossen war, an die Ofenmauer und setzte sich selbst daneben hin auf die Bank, und sah in der Stube umher, wie Alles so hübsch und heimlich eingerichtet war. Der Sandhauser kam und meinte: Bei der Ofenbank sei kein Sitzen, der Hans solle sich ein wenig an den Tisch begeben. Und bald war ein gewichtiger Laib Brot und ein grüner schwitzender Mostkrug auf dem Tische erschienen.

Der Sandhauser hatte viel aus- und einzugehen, trug in ebenmäßiger Ruhe und doch mit einem gewissen Eifer den einen Gegenstand hin, den andern her. Und auf dem Oberboden und in der Nebenkammer war der behendige Schritt der Frieda zu vernehmen, und bisweilen huschte sie mit einem Kissen, mit einer Decke durch die Stube.

Der Hammerl-Hans kaute langsam an dem schmackhaften Brot, dachte bei sich: Wohl, jetzt thun sie schon nesttragen — und that einen gedehnten Zug aus dem Kruge.

Endlich setzte sich der junge Ehemann zu ihm und fragte: „Na, Hans, kriegen wir gar nichts zu hören?“ — Er hätte das Wort wieder einfangen mögen; er war erstens heute nicht in der Stimmung, auf dem Dreifuß zu sitzen und einer Musik zu lauschen, und zweitens kam’s ja gerade heraus, als wollte er sich für die kleine Jause, die er dem Alten vorgesetzt, bezahlt machen. Er sagte daher, als der Hans schon mit freudiger Hast die Lederriemen seines Kastens aufschnallte: „Na, na, Hans, nicht desweg, nicht desweg. Thu’ sich der Hans ausrasten. Ein andermal.“

„Wohl nit vonnöthen!“ versetzte der Alte rasch, „hab’ mich jetzund rechtschaffen gestärkt. Muß ja dem jungen Ehepaar noch mein Brautliedl vormachen — das wohl, ei, das wohl!“

Sofort that er die Strohriegel auf den Tisch, entfaltete das Instrument und legte es darauf zurecht. In jeder Hand ein Hämmerchen, schlug er zuerst auf eines und das andere der Stäbchen — auch sein Spielwerk muß gestimmt werden!

Töne sind nicht zu beschreiben, und am wenigsten, wenn sie von einem eigenartigen Instrumente kommen, das die allermeisten Menschen noch gar nicht gehört haben. Und so muß sich der Erzähler begnügen zu sagen, daß der Hammerl-Hans auf seinem Zeug gar seltsam zu spielen, die anmuthigsten Melodien hervorzubringen versteht. Etwas komisch berührt nur das hastige Hinundherzucken mit den Armen; in raschem Tempo müssen ja die Hämmerchen fast gleichzeitig in den verschiedensten Gegenden des Tonbrettes sein — jetzt beim brummenden, grollenden Holz, jetzt wieder beim klingenden, schreienden. Das Ganze quillt etwas derb und grell hervor und macht die Nerven zittern. Von der Entfernung gehört, ist es eine weiche, melodische Musik, doch ganz unvergleichbar mit allen anderen Tonspielen.