Zuerst gab der Hans im Sandhause mit sanften Hammerschlägen eine liebliche Volksweise zum Besten. Das lockte die Frieda herbei. Sie schmiegte sich mit Haupt und Gliedern an ihren jungen Gatten und horchte dem Spiele zu. In solcher Lage fand auch der Sandhauser die Musik angenehm, und als das erste Lied zu Ende war, bestellte er ein zweites und zog sein Weibchen nieder auf seinen Schoß.
Das zweite Lied klang schon lauter und kecker, und der Blasi trat dazu mit der Fußspitze den Tact. Das dritte Stück war ein steierischer Tanz, da wiegte sich die Frieda auf den Knien ihres Mannes, bis dieser sie emporhob, selbst aufstand und flüsterte: „Na, Frieda, das thut’s, hopsen wir Eins mit!“
Da hat sie ihren Arm um seinen Hals gelegt und da haben sie jenen Reigen begonnen, der seiner Anmuth und Sinnigkeit wegen wohl den ersten Rang einnimmt unter den Tänzen des deutschen Volkes.
Als der Hans einen Blick that hin auf das Paar, da vergaß er schier auf das Hämmern: die Frieda hob gerade das vorhin an Blasi’s Brust gesunkene Köpfchen und sah dem Gatten in’s Auge. Und diesen Augenblick kann der alte Musikant nimmer vergessen. „Toll,“ murmelte er, „toll haben sie sich gern!“ und suchte wieder in den Tact zu kommen.
Nach dem Steierischen ging ein Walzer los, da glitten die jungen Leute schon rascher durch die Stube, und als das Tonbrett schwieg, hob der Sandhauser den Mostkrug, rief: „Unser Musikant soll leben!“ und trank. — Sie tanzten so gern; sie tanzten das erstemal mitsammen, denn bei der Hochzeit mußte nach der Sitte der Bräutigam mit der ersten Kranzeljungfer und die Braut mit dem Brautführer und anderen Ehemännern reigen.
Dem Hans selber waren heute die Hämmerchen heiß in der Hand. Er begann eine Polka zu schlagen. Ein Jauchzer entfuhr dem jungen Mann; keck faßte er sein Weib um die Mitte und flog mit ihr im Kreise. Rasch ging’s. Es dröhnte der Fußboden unter den Sprüngen, es klirrten die Fenster. Grell, fast wild klapperten die Hämmerchen und dem Musikanten rann es heiß durch’s Mark, sein Spiel war fieberig und ging rascher und rascher. Das tanzende Paar stieß an Bänke und Stühle und schien es nicht zu merken; der Frieda hatte sich das Kopftuch gelöst, es war niedergefallen auf den Boden, war mit den Füßen getreten. Wie im Sturme hin wirbelte ihr schlichtes Kleidchen, und wieder schmiegte es sich weich um ihre Glieder und flatterte um des Tänzers Beine. Darauf hatten sich ihre Locken entfaltet, waren niedergewallt bis zum Gürtel, waren hingeweht über die Schulter des Mannes und um seinen Nacken; in ehernem Krampfe umklammerte sie seine Gestalt, eine Brunst lag auf ihren Wangen, ihr großes Auge blickte starr in das seine und ihre Lippen, halb offen und zuckend, hielt sie den seinen entgegen.
So rasten sie hin unter dem gellenden Schallen des hölzernen Spielwerks — da hatte es plötzlich ein Ende. Eines der Hämmerchen war entzwei gebrochen und das abgebrochene Stück über den Tisch und Fußboden hingekollert. — Ein-, zweimal noch ohne Musik war das Paar durch die Stube geflogen, da sank es hin auf einen Block und stöhnte ein tiefes, langes „Ah!“ Große Tropfen standen auf ihrer Stirn, und Frieda hielt sich fest an des Gatten Schulter und schloß die Augen.
„Du bist ganz damisch (taumelnd)!“ sagte der Sandhauser, „ein wenig frische Luft, ist’s gleich wieder gut.“
Der Alte suchte sein Werkzeug wieder herzustellen. Das Paar erhob sich und wankte in das Freie. Frieda sog durch einen langen, tiefen Athemzug die kühle, reine Luft ein und hauchte: „Ah, Blasi, das thut gut!“