So dauerte es gegen eine halbe Stunde, da sagte die Wärterin plötzlich: „Jetzt kommen die letzten Schöpfer (Athemzüge)! O Herr Jesu Christ, verlaß ihn nicht! O heilige Maria, bitt’ für ihn! O heiliger Josef, steh’ ihm bei! O ihr himmlischen Engel, bewacht seine arme Seel’, thut sie hüten vor dem bösen Feind, steht ihr bei vor dem letzten Gericht! Dir leb’ ich, o Jesu! Dir sterb’ ich o —“

Sie hielt ein und horchte nach seinem Athem. Sie nahm ein Spiegelchen von der Wand und hielt es vor die Lippen des Sterbenden. Die Glasfläche trübte sich etwas; da huben sie wieder an zu beten.

Der Athem ging regellos und matt; die Augen waren ganz zugefallen. Da löschte die Wärterin das Sterbelicht aus und flüsterte den Anwesenden zu: „Er schläft.“ Und sie schlichen davon.

Nach einigen Stunden, als an den Fenstern der nebelige Morgen graute, schlug der Sandhauser die Augen auf, blickte unstet umher und hauchte: „Die Frieda! — warum will sie gar nicht mehr zu mir kommen?“

Ein Nachbar saß bei ihm, der schwieg nach diesen Worten eine Weile; endlich sagte er: „Jetzt ist’s besser mit Dir; aber das ist eine harte Nacht gewesen, Sandhauser.“

„Ja,“ antwortete der Kranke.

Er lag wieder wie im Halbschlummer. Und so verging ein Tag und eine Nacht. Am nächsten Morgen, als es ganz licht geworden war, wendete er etwas das Haupt und fragte: „Wer ist denn unten?“

Und als er keine Antwort erhielt, fuhr er fort: „So viel Leute gehen um — unten in der Stube!“

Er hatte die große Unruhe bemerkt, die im Hause war.

„Der Frieda, wie geht’s ihr denn?“ fragte er.