„Auf das kann ich nichts sagen, Sie hat mich durch den Pechölbuben bitten lassen, daß ich’s bei Euch ausricht’. Möcht’ sich nicht schicken, daß ich eine Weil’ nachgefragt hätt’, wegen was, oder warum. Jetzt hab’ ich meine Sach’ ausgerichtet; vergunn’ Euch ein glückseliges Neujahr miteinand und sag’ gute Nacht, Leutel.“

Kaum die letzten Leisten des Schusters zur Thür’ hinausgeklappert waren, sagte der Wolfgang: „Was wird’s jetzt geben? Muß schon was Wichtiges sein, daß sie mich hinüberruft den weiten, schlechten Weg in der Nacht, und in so einer Nacht. Die Mutter verlangt nicht dergleichen ansonst. Arg krank geworden muß sie sein, anders kunnt ich mir’s nicht auslegen. Daß es nur heut’ nicht wär’!“

„Da müßt doch eine alte Kuh lachen, wenn der Wolfgang sich in der Sylvesternacht vor Gespenstern wollt’ fürchten!“ rief das Weib.

„Du bist aber schon gar, Agatha, daß Dir so was kann einfallen. In der Todtenkammer will ich schlafen die heutige Nacht, der Gespenster wegen. Kugelscheiben mit den Todtenschädeln, Gott verzeih’s! — Aber Dich mag ich nicht allein lassen, die heutige Nacht — von wegen dem, was Du vorhin hast gesagt.“

Sie lachte. Damit hätt’s noch lange Zeit. Bis in die Seegrub wäre es nicht ganz drei Stunden, da könnte er leichtlich nach Mitternacht wieder zurück sein; wäre aber nicht vonnöthen, möge sich friedsam ausschlafen in der Seegrub und morgen bei Sonnenschein wohlgetrost nach Hause gehen.

So gut verstand sie das Zureden, daß der Wolfgang den Lodenmantel anzog, den Stock zur Hand nahm und ging.

Es war schon dunkel, als er emporstieg den bewaldeten Bergzug, welcher das Amsterthal und die Gegend der Seegrub scheidet. Das rothe Rad des Mondes ging auf; der Wolfgang warf einen langen Schatten über das Schneefeld hin, und unter seinen Füßen knarrte der Pfad.

— Was es nur geben wird drüben bei der Mutter? Fünfundsiebzig Jahre alt sein, ist eine gefährliche Krankheit. Da rücken sie so an, eins um’s andere, morgen kommt wieder ein neues und man hat seinen Spaß dabei. So Jahre sind wie der Hüttenrauch (Arsenik), den der Roß-Wasti so gern ißt: in rechtem Maße genossen, macht er schön und stark, zu viel bringt Einen um. Die Jahre sind auch so ein Gift.

Als er zur ersten Anhöhe gekommen war, blickte er auf das Dorf hinab, dessen Kirchthurm schon in das Mondlicht emporstand. Die Säge am Bach und das Haus mit der Agatha lag noch im Schatten. Sechzehn Stunden dauert es um diese Jahreszeit, bis die Sonne wieder kommt. Da kann dieweilen viel geschehen im Finstern. Wolfgang, wenn Einer, während Du hinüber zur Mutter gehst, zu Deiner Frau kommt?! Sie ist jung und hübsch, sie wird ihn herzen und küssen, wird ihn lieber haben, als Dich! Du bist zwar noch gar nicht alt, aber etwan kann er noch um ein Erkleckliches jünger sein, als Du, und wenn Du nach Hause kehrst, so wird sie ihn nicht mehr von ihrer Seite lassen, wird ihn an ihre Brust drücken Tag und Nacht..... Du lächelst, Wolfgang, und meinst, das könne schon sein — hättest aber nichts dagegen. Und lieb haben, nicht zu sagen, wie liebhaben wolltest Du den kecken Nebenbuhler, und ihm Alles sein und geben, was an Dir ist, was Du hast und geben kannst. — So eile denn, daß Du bald wieder zurück bist.