Zu diesem Weibchen schritt nun Wolfgang heim, daß er mit ihm ein glückseliges Jahr schließe und ein neues glückselig beginne. Agatha saß bei ihrem Nähtisch, nähte aber nicht, sondern legte die Hände in den Schoß und blickte träumend auf das Nadelkissen. Aber nicht das Nadelkissen sah ihr geistig Auge, sondern — — o, lieber Leser, wie könntest du verlangen, daß ich wisse, was ein junges Weib, zur Seherin geworden, in solcher Stunde schaut!

Ihr eigener Mann mußte sie wecken, da er die Hand auf ihre Achsel legte, und fragte: „Wie so, Agatha, daß Du mich heute gar nicht gewahrst, wenn ich bei der Thür’ hereinpoltere? Du schläfst ja wie ein Hase — mit offenen Augen!“

Sie ermannte sich rasch aus ihren Träumen, blickte treuherzig zum Manne auf und lächelte.

„’s mag wohl sein, daß das neue Jahr gut anhebt,“ sagte sie dann, und ihre Wangen schimmerten rosig, wie draußen der Schnee im Abendroth.

Es wird ein Kuß gewesen sein, den jetzt der junge Gatte auf die Lippen seines Weibes gedrückt, ein absonderlicher Kuß, dem neuen Jahre vermeint, der Zukunft — dem Kinde.

Und zur Stunde trippelte das alte Zwick-Schusterlein in die Stube; das hatte voran über der Brust das Werkzeugtrühelchen hängen, und hinten über dem Höcker eine große klappernde Traube von Leisten verschiedener Größe und Form — in Holz geschnitzt die Füße der Einwohner von Amsterdorf und Seegrub. Gar Mancher, der auf eigenem Fuße stehen und leben konnte, hatte sich für seinen Fuß eben eigene Leisten anfertigen lassen, und es war daher beim Zwick-Schusterlein nicht richtig, daß es alle Stiefel nach einem Leisten schlage. Aber das harte Tragen! Es war leicht zu errathen, wo diesen Mann der Schuh drückte: hinten auf dem Höcker.

Nun wohl, so rasselte der kleine Alte mit seiner Last zur Thür’ herein, und sagte: „Gewiß Gott zum Feierabend, miteinander! Ich komm’ von der Seegrub herüber, hab’ nur eine Post auszurichten und geh’ gleich wieder. Die alt’ Mutter drüben laßt bitten, wenn’s dem Wolfgang nicht gar zu unhandsam thät sein, daß er heut’ noch ein bissel wollt’ zu ihr hinübergehen.“

Die Eheleute erschraken und fragten gleichzeitig, ob was geschehen wäre, ob sie nicht doch gar krank wäre, die Mutter!