Nach mehreren Monaten erhielten wir folgendes Schreiben aus der Hauptstadt:

„Liebste, allerliebste Eltern!

Sie haben mich aus der Anstalt entlassen und behaupten, ich wäre geheilt. Ich weiß nicht, wovon. Da ich leben muß, so will ich zu leben neu anfangen und in einem neuen Lande. Den Heimatsboden kann ich nicht mehr betreten. Meine Eltern, ich flehe Euch an, kommet auf einen Tag zu mir in die Stadt. Mein Vater, meine Mutter, es sehnt sich Euch zu sehen Euer Sohn

Alfred.“

Und als ich nun meinem Weibe Alles mittheilen wollte, sagte sie leise, sie habe ja längst Alles gewußt.

Wir haben ihn aufgesucht, er war völlig stumpfsinnig, aber unter einem heißen Thränenstrom hat er um Verzeihung gefleht für die Kümmerniß, die er uns angethan.

Gott weiß es — wir haben ihm verziehen.

Ferner bat uns Alfred, wenn wir noch einige Liebe gegen ihn haben könnten, um dieser Liebe willen ein jüngeres, noch nicht erwachsenes Schwesterchen der armen Rosa erziehen zu lassen oder selbst zu erziehen. — Wir haben ihm auch diese Bitte gewährt; es ist gewiß sein Gewissen dadurch erleichtert worden.

Dann hat unser einziger Sohn von uns Abschied genommen und wir sind allein mit unseren grauen Haaren heimgekehrt in das stille Landhaus.