Der unglückliche junge Mann gehöre nicht in das Criminal, sondern in das Irrenhaus.

Nach all’ dem verließen die Richter und Geschwornen ihre Sitze und gingen in ein Nebengemach, um zu berathen. Ich erhob mich auch und ging hinaus.

Am Thore hörte ich eine Stimme: „Das ist sein Vater, der Tyrann, auf den fällt das Blut!“

Ich sah nicht um; an der Treppe brach ich zusammen.

Als ich wieder zum Bewußtsein kam, waren viele Leute um mich, und Mehrere riefen mir zu, ich solle getrost sein, mein Sohn sei freigesprochen worden.

Daß sie ihn dem Irrenarzt übergaben, das erzählten sie mir nicht.

Ich erfuhr es bald, und ohne ihn noch einmal zu sehen, fuhr ich auf mein Landgut zurück. Das geschwätzige Zeitungsblatt, welches gleichzeitig mit mir zu Hause anlangte, vernichtete ich, ehe es meiner Gattin zu Gesicht kam. Und jetzt bewachte ich meine gute Hausfrau, daß kein fremder Schritt und keine fremde Zunge in’s Haus drang, um ihr das schwere Unglück laut zu machen. Ich hätte gern meine Qual an ihrem trauten Herzen ausgeweint — aber ich wagte es nicht, in ihr zartes, reines Gemüth die ganze Fülle des Jammers zu gießen. Allstündlich blickte sie zum Fenster aus, hoffend, das Nahen ihres einzigen Kindes zu sehen. Mich hat sie mit schwermuthsvollen Augen oft angeblickt; — aber kein Wort der Klage und der Hoffnung hat sie mir gesprochen. Und ihre Haare begannen rasch zu bleichen.

Da habe ich mich wohl oft zurückgezogen in den einsamsten Ort unseres Gehöftes und habe bitterlich geweint. Geweint über das liebe verlorene Kind; geweint über die unendliche Pein, die ein irrendes Kind dem Elternherzen bereiten mag....