Sie schweigt und harrt erwartungsvoll, was ihr der Beichtvater wohl rathen mag.

Diesem wird’s schier selber dumm und er meint, der ganze Beichtstuhl hebe an mit ihm zu tanzen. Aber im Kerne ist der Titus eben gerade kein Narr, er merkt es sogleich, was diese Stunde bedeutet. Sein Herz drückt er mit aller Gewalt hinab unter die Bank. Dann lehnt er sich so hin und murmelt abgewendeten Antlitzes: „Hm, hm, das ist freilich bös’. Da müssen wir mehr darüber reden, liebes Kind, weißt Du was, komm heute um’s Gebetläuten in des Pfarrers Obstgarten.“

Das Mädchen schwieg eine Weile, dann stotterte es ängstlich: „Wär schon recht, ja, Hochwürden, aber im Obstgarten ist halt kein Beichtstuhl nicht und keinem Menschen will ich meine Sach’ anvertrauen, als nur dem lieben Herrgott.“

Da war es dem Schäfer im Beichtstuhl, als müsse er hell aufjauchzen. „Dein Liebster ist gewiß der Schäfer von der Birkenheide?“ fragte er flüsternd.

„Ei freilich ja, der Titus halt.“

„So kann ich Dir’s im Beichtstuhl sagen, er hat mich ja gebeten d’rum, der Schäfer ist bei mir in der Beicht gewesen; er geht nur desweg’ in’s Kloster, weil er Dich nicht kriegt; der läuft Dir noch nach in Dein Haus; denn schau wie er Dich lieb hat, Esther, glauben kannst es nimmer!“

Zum Glück hatte der Organist dem heiligen Michael zu Lieb’ alle zwölf Register aufgezogen, und so verstand die Esther den leidenschaftlichen Ausbruch des Beichtvaters nur halb. Und dem aus Rand und Band gekommenen Schäfer dünkte es die höchste Zeit, daß er das Kreuz schlage und den Schieber zuklappe. Die Orgel schwieg, die Vesper war aus, die Leute bliesen ihre Lichter ab und verließen nach und nach die Kirche. Auch die Esther schlich dem Ausgange zu, voll Sorg’ und Liebesnoth — und heut’ ist ihr am Beichtstuhl das Herz nicht leichter geworden.

Der Schäfer entschlüpfte seinem unheimlichen Verstecke, und als er wieder unter freiem Himmel stand im kühlen Berghauch und Abendroth und die Stämme der Birkenheide dort oben wie glühende Nadeln leuchteten, da that er einen Athemzug, mit dem er ein ganzes, neues, glückseliges Leben einsog.

Und wie der Beichtvater gesagt hatte, der Schäfer lief dem Mädchen noch an diesem Abende nach in ihr Haus — „denn schau, wie Der Dich lieb hat, Esther, glauben kannst es nimmer!“