Sie hat’s aber doch geglaubt und nach wenigen Tagen erhielten die grauen Brüder auf Birkenrinde geschrieben den Bericht: „Ich kann nicht kommen, ich hab’ mir ein Weib genommen und bleibe der Schäfer von der Birkenheide.“
Herrn Pastor Meneschild’s Hochzeitsreise.
In den Maien ist’s gut freien, hatte der junge Pastor Meneschild, der Curat von Schladernbach gedacht, hatte sich ein Weibchen genommen in den Maien.
Selbiges Weibchen war ihm lang genug arg im Wege gewesen bei den Sonntagspredigten; und wie der Aar mit seinem Blicke das Hühnervieh bannt, daß es vor Schreck und Angst erstarrt, so hatte das große schwarze Auge des Wirthstöchterleins vom Kirchenstuhl aus den sonst sehr erbaulichen Vortrag des Predigers oft nachgerade derart gehemmt, daß der gute Meneschild erröthend und erbleichend mitten im Text sein „Ewigkeit Amen“ sagte.
Solchen Zuständen mußte ein Ende gemacht werden, und das um so rascher, als der Kaufmannssohn und der Oberlehrer des Ortes auch täglich ihren Humpen beim Wirthstöchterlein tranken. Und das war um so verdächtiger, als gedachten Herren eine Nachbarschänke weit handsamer gelegen gewesen und der Wein in derselben zumeist viel vorzüglicher war, als das starke Getränke des Schladernwirths, das zum großen Theile weiter oben im Gebirge noch die Mühlen und Holzsägen trieb. Aber der Schladernwirth brachte jedes Getränke an den Mann, wenn er nur sein schwarzäugig Töchterlein Kellnerin sein ließ.
Das letzte Glas schenkte Fronele dem Herrn Pastor ein. Man sagt, er habe es nicht ausgetrunken, sondern habe, unbeschadet von demselbigen Glase, mit dem Mädchen und dem Schladernwirth den Hochzeitstag besprochen.