„Du hast geschworen, daß Du mir hilfst. Weißt, Franz, anders ist mir nicht zu helfen.“

Der Wachszieher verhüllt sein Angesicht.

„Nun?“ frägt der Soldat.

„Nein,“ ruft Franz, „das thu’ ich nicht. Ein Mörder werden, davor behüt’ mich Gott.“

„Gut,“ sagte der Crispin, anscheinend gelassen, aber lauernd, „so werde ich’s selber thun. Du könntest einen Vatermord verhindern, hörst Du, einen Vatermord! Und thust es nicht. Und brichst den Eidschwur, hast Gott zum Feind und bist ein doppelter Verbrecher. Ich heiß’ Dich einen Schurken, Dein Lebtag lang.“

Der arme Franz — in Wahn befangen — rang die Hände, starrte stumm vor sich hin, schüttelte rathlos den Kopf. Wie ein armer Sünder saß er da. Wie ein Verzweifelter saß er da. Die Hand nicht rühren und ein zweifacher Mörder sein! — Aber Vatermord und Meineid sind die schrecklichsten Gräuel. Einen Mord wird Gott vergeben, einen Meineid nimmer. Der Mord führt einen Menschen aus dieser elenden Welt; der Meineid lügt dem Herrgott frech in’s Gesicht, beschwört ihn, die Lüge ewig zu rächen. Und wenn Du stirbst und den Namen Gottes anrufst — Dein Mund hat falsch geschworen; und wenn der Teufel an Dein Bett kommt und Du willst die Hand zum Kreuzzeichen heben — die Hand hat falsch geschworen. Der Herrgott schreibt den Eid mit seinem Blitzstrahl an’s Firmament. Wer löscht ihn aus? —

Das Blut des Steghofer löscht ihn aus! schreit in ihm der böse Wahn.

„Nun?“ fragte der Crispin wieder.

„Laß’ Zeit! Ich kann nichts sagen.“

„Ist’s denn ein Schad’ um die Bestie?“