Dominicus bog mit einer Hand das kühle Reisig der jungen Tannen auseinander, denn es ist ein Naturwäldchen, das gerade noch so viel Wildheit übrig läßt, um den Spaziergang reizend zu machen. Der Mann geht fertige Wege niemals mit Lust, er muß sie bahnen können; er will nichts zu Gnaden, will sich seine Straßen selber schaffen.

Der Andere — Lorenz — schürzte sein Ordenskleid, weil es ihm im Gehen hinderlich sein wollte. Schon setzte er seine ganz weltlich-kleinen Füße voran, während sein Kopf sich mehrmals nach rückwärts wendete. Der Guardian war nämlich, was der Guardian sein muß: ein gestrenger Mann, der es nicht gern sah, wenn zwei Priester seiner Abtei Arm in Arm gingen — denn der Orden schreibt Einsamkeit vor; sah es nicht gern, wenn sich Zwei gegenseitig in’s Gesicht lächelten — denn der Orden schreibt Selbstbeschaulichkeit vor; sah es auch nicht gern, wenn Einer zu tief in den Wald hinausging — denn der Orden sprach von den heiligen Mauern. — Nun, wenn’s Ehrwürden nicht gern sieht, so braucht er’s eben nicht zu sehen. So dachten die Beiden und schlichen durch die Büsche.

Es war ein heißer Juni-Nachmittag. Die Klosterglocke schlug drei Uhr.

„In solcher Schwüle kann man nicht arbeiten,“ sagte der eine Priester.

„Nur beten,“ versetzte der Andere.

„Beten? Kannst Du’s jetzt?“

„Beten, wie’s im Buche steht, kann man alle Zeit, wie’s im Herzen steht, nur selten.“

„Wie hältst denn Du’s mit dem Beten?“

„Für Andere kann ich, wann’s nöthig ist; wüßte auch nicht, warum ich ihnen nicht zu jeder Stunde Gutes sollt’ wünschen können. Aber für mich selber beten — Bruder, das geht mir zu seicht, da möchte ich lieber Hand anlegen. Ich möchte was bauen, was schaffen.“