Und daß der Himmel zu all’ dem noch lächeln konnte, das ärgerte den Herrn Pastor am meisten; die Zähne biß er aufeinander, und so legte er sich in einer Nische auf den Sand. Aber es war kein Ruhen und Rasten; sein Lebtag hatte er nichts so Hartes empfunden als dieses steinerne Bett. Ja, diese Nacht, die man sonst nicht zu den unangenehmsten Nächten im Leben zählt, hat der gute Pastor Meneschild stets als die schrecklichste Zeit seines Erdenwallens bezeichnet.
Um Mitternacht, in Folge eines sehr beunruhigenden Traumes, stand er auf und wollte in den Fluß springen; aber unverrichteter Sache kletterte er wieder in seine Nische zurück. In seiner Nische kniete er nun hin und betete, und lachte letztlich hell auf darüber, daß er durch die Hochzeit zu einem Einsiedler in der Felsenhöhle geworden sei.
Spätere Betrachtungen widmete er den Steinschlägern; die Männer hatten ihm just nicht sehr jung, aber auch nicht sehr alt geschienen; bärtig und sonngebräunt von Aussehen, mochten sie herb und keck sein, wie ihre Eisenhämmer. Mag schon ein Mann solchen Leuten im Walde nicht gern begegnen, um wie viel wehrloser muß ihnen ein zartes Weib gegenüberstehen. Die goldenen Ohrgehänge wären noch zu verschmerzen — aber wenn sie ihr den Brautring raubten...!
Nochmals sprang der Pastor auf und eilte hinab zu dem Fluß. Und siehe, in der Morgendämmerung sah er’s, das Wasser hatte abgenommen, gewaltige Steinblöcke, von Gischten umbraust, ragten aus der Fluth. Mit der Tollkühnheit eines Verzweifelten sprang er in schrecklichen Sätzen von einem Stein zum andern über den Fluß, und wie ein Löwe, der seinen Zwinger durchbricht, stürzte er der Hütte zu.
Die Thür war in Angeln offen, kein Mensch zu Hause. Vier bis fünf leere, zerdrückte Strohnester grinsten ihm entgegen; des Weiteren keine Spur von einem Bewohner.
„Entführt!“ stöhnte der arme Pastor und Hören und Sehen wollte ihm vergehen.
Da war es zur selbigen Stunde, daß ein helles Jauchzen erscholl drüben im Steinbruch. Herr Meneschild schlug sein umflortes Auge auf, und siehe, dort drüben, wo er diese entsetzliche Nacht verbracht, standen die Steinschläger und bei ihnen das Fronele.
Und in demselben Augenblicke kamen zwei geschwätzige Weiber mit Klaubholzbündeln hinter der Hütte herabgestiegen. Diese gaben sich mit Bücklingen dem Herrn Pastor als die Weiber der Steinschläger zu erkennen, die Früh in den Wald gegangen wären, um Holz zum Kochen der Morgensuppe zu sammeln. Ihre Männer aber seien noch früher aufgebrochen, um mit der jungen Frau Pastorin, die in der Heuscheune gut geschlafen habe, weiter unten einen Steg über den Bach zu suchen und auf diese Weise zeitig in den Steinbruch zu gelangen.
Und nun war neuerdings das Wasser zwischen den Eheleuten. Einen zweiten kühnen Sprung über die noch immer wüthenden Fluthen fand der Pastor nicht für gerathen und so harrte er im Angesichte seiner jungen Frau, bis ein neuer Steg geschlagen war. Dann aber stürzten sie sich in die Arme, als wären sie aus verschiedenen Welttheilen zusammengekommen.