„Gewachsen!“ murmelt sie, „gottunmöglich gewachsen!“ Und endlich fällt sie drein mit ihren Herzensworten und hält dem schönen heimkehrenden Enkel zitternd die alten Hände entgegen.
„Und bist heut’ schon von Bruneck her?“ fragt der Anderlacher. Drauf ist die Sprache vom Wege und daß er rechtschaffen steil ist und ob der Brunecker Postmeister den Schimmel vom Kronenwirth noch habe? — Was schiert er sich jetzt um solche Sachen, der Anderlacher, aber er will reden und es fällt ihm gar nichts Anderes ein. Das alte Mütterlein kann sich länger nicht mehr halten. „Du Franzel“, lispelt sie dem Jungen zu, „jetzt haben wir aber Einen im Haus, den Du noch gar nicht kennst!“
„Ja richtig!“ sagt der muntere Student, „der Pfarrer hat mir’s geschrieben, hat sich der Kerl noch nicht getrollt?“
Sie schauen sich gegenseitig an.
„Sicherlich wieder so ein Soldat?“
Jetzt wendet sich die Mutter, daß der Blick frei wird auf die Wiege, jetzt hebt sie das kleinwinzige Martinele auf: „Ja, Franz, der ist gekommen, dieweilen Du z’Innsbruck bist gewesen.“
Da macht der Bursche große Augen: Der!
„Er will Dein Bruder sein,“ sagt die Mutter.
Der Franz ist still und macht ein merkwürdig herziges Gesicht. — Noch in der Reiserüstung streckt er lächelnd die Arme aus nach dem Brüderchen. Aber der Kleine sträubt sich baß, stemmt das nackte Händchen trotzig gegen des Angreifers Brust, dann halb in Furcht und halb im Vertrauen blickt er ihm wie sinnend in’s braune Auge und jetzt will’s ihm schier bedünken, dem kleinen Martinele, der junge Mann hätte gute Aehnlichkeit mit dem Tonele, mit dem Maidle und Allen.