„Nein, ich — weißt, er soll’s halt nicht wissen, und — wirst steh’n bleiben, Scheckin! Obst mir gleich steh’n bleibst, Scheckin! — Er leid’ts nicht, daß ich mit dem Hansl was hab’ — ich weiß, daß er’s nicht leid’t — freilich nit.“
„So braucht er auch von der ganzen Geschicht’ nichts zu wissen,“ sagte die Christl wie schalkhaft; „mußt ihn den Brief denn gerad’ still lesen lassen? Laut soll er ihn lesen, Dir vorlesen soll er ihn, und ich sag’ Dir’s, bei seiner Taubheit, er versteht kein Wort davon — kein Wort.“
Da hob die Gretl ihr frisches einfältiges Gesichtchen: „Meinst? Ja — weißt, ich versteh’ das zu wenig, hab’ mein Lebtag keinen Buchstaben angeschaut, mein Lebtag keinen. Aber, ich hätt’ doch gemeint, wenn er den Brief selber lesen thät’, daß er’s ’leicht wissen kunnt, was d’rin steht.“
„Aber ich bitt’ Dich gar schön, Gretl, was Du heut’ für einen Unsinn redest! Wenn er laut liest und kein Wort hört, wie soll denn das sein, auf alle Mittel und Weis’!“
„Ja freilich wohl, ich laß’ Dir’s gern gelten.“
„Sagst halt, mußt ihm’s aber ordentlich in’s Ohr schreien, mir thät’ er zugehören, der Brief, von meiner Muhm in Kirchbach, und ich hätt’ Dich damit geschickt und ließ ihn bitten, er soll Dir ihn lesen, daß Du mir’s kunnt’st sagen, was d’rin steht.“
„Das ist gescheit — wird wohl gescheit sein,“ versetzte die Gretl, „bist ein’ ausbündige Dirn, Du. Du wärst die Erst’ bei der Hochzeit, thät’ mich der Hansl heiraten. — Wie’s aber grasen, meine Küh; wollen ’leicht das Futter lieber im Magen, wie auf dem Karren heimbringen. Schaut völlig so aus. Dank Dir Gott, Christl, für den guten Rath, und laß Dir Zeit und Weil zum Laubrechen — ja, laß Dir Zeit!“
Das Mädchen eilte zu den Kühen, mähte das Futter, füllte den Karren in hoher Schichte, spannte an, fuhr heim.
Die Christl aber lauerte hinter dem Zaun und kicherte: „leicht ist sie wirklich so dumm und zeigt den Brief ihrem Vormund. Und weiß der alte Luzifer die Geschicht von Hans und Gretl, nachher stehen die Zwei nimmer zusammen. Nachher, mein lieber, sauberer Schatz, weiß der Briefbot’ mein Fensterl auch zu finden. Hi, Hansl, hott, Gretl!“ Und laut: „Kei (kippe) die Fuhr nicht um, Gretl!“
„Selb gieb ich schon Acht, freilich, selb gieb ich schon Acht!“ rief diese noch aus dem Walde zurück.