Die gute Gretl ging neben ihren Kühen her. Wieder zog sie das Briefchen hervor: „Schau, Scheckin, das schickt mir der Hans!“ Sie hielt das Papier den Rindern hin, diese glotzten es an, lesen konnten auch sie nicht.
Und als es Feierabend war, schlich die Gretl fort vom Haus, wo sie diente, und hinein in die Thalschlucht gegen die kleine Schmiede. Aus dem Schornstein sprühten Funken, der Alte war noch in der Werkstatt.
Mit Bangen und Zagen nahte sie ihrem Vormund, ihrer einzigen Stütze, seitdem Vater und Mutter gestorben.
„Die Dirn ist da,“ brummte er, als sie in die Schmiede trat. Mägde und Weibervolk genug, aber „Dirn“ gab’s ihm nur eine einzige auf der Welt, seine Mündel; Dirn, das war ihm der zärtliche Ausdruck für Schützling, Tochter, Kind.
Ehe das Mädchen noch ordentlich über die Schwelle kam, es stolperte schier, rief es: „Von der Schwanenwirth-Christl bin ich geschickt, den Brief da soll mir der Vatermann lesen und laut, das ich’s ihr kann sagen, der Schwanenwirth-Christl.“
Dreimal mußte es die Worte dem Alten in’s Ohr schreien, ehe dieser seine rußigen, mächtigen Glasaugen hervorholte.
„Was wird’s denn sein? So einen Brief lesen, wird auch just keine Hexerei sein!“ Er machte sich aber doch wichtig.
„Von der Schwanenwirth-Christl ihrer Muhm’ ist er!“ rief das Mädchen befangen schnell.
Der Alte wendete sich gegen die ausschnaufende Esse, daß der Brief, den er nun öffnete, roth beleuchtet war: „Kreuz und Eisenstern übereinand, da ist ja gar ein Kaiserjäger oben!“