„Halt ja, ein Soldat, halt ja,“ zitterte die Gretl, „der Schwanenwirth-Christl ihrer Muhme ihr Sohn.“ —

„Der Schwanenwirth-Christl ihrer —“

„Muhme ihr Sohn. Ja freilich, freilich wohl. Laut, nur gleich laut lesen, weil — weil ich nicht recht Zeit hab’. Muß gleich wieder heim, aber gleich wieder.“

Der Alte verstand kein Wort. Er las bereits. Mit dem einen Fuß trat er den Blasebalg, daß er an der Esse eine Leuchte hatte. Mit dem andern stand er fest, recht fest. „Du verschwefelt’s Volk!“ rief er plötzlich. „Also vorlesen soll ich Dir die Schrift, vorlesen? Recht gern. Innigstgeliebte Margaretha! — steht’s geschrieben.“

Da war’s dem Mädchen wie zum Umfallen. — Taub ist er freilich, aber so heraus hat er’s geschrieen, er kunnt’s verstanden haben. „Just gar so laut, dasselb’ ist keine Nothwendigkeit, Vatermann.“

„Ich grüße Dich tausendmal und wünsche, daß Dich mein Schreiben in bester Gesundheit antreffen möge. Ich bin Gott sei Dank gesund und mache Dir zu wissen, und daß ich vor etlichen Tagen zum Corporal avancirt bin und ich in ein’ Jahr auf Urlaub zu Haus kommen werde, was mich wegen Deiner so freut, vielgeliebte Margaretha, und ich denk’ bereits Tag und Nacht auf Dich, und Dein Zellerpreverl trage ich auf der Brust, daß mich mit Gottes Hilf’ kein’ Kugel trifft. So schau’ ich aus, wie das Gemal (Gemälde) da oben, und ich bitte Dich, daß Du mir getreu bleibst, und glaube der Leut’ Reden nicht, weil sie einen Neid haben auf uns Zwei. Und ich möcht’ auch wissen, das von der letzten Kirchweih, wie ich fortgangen bin, wird Dir nicht geschadet haben.“ Der Alte hielt inne, starrte das Mädchen an. Dieses sagte mit einer packenden Keckheit: „Hör schon, Vatermann, recht gut hör ich, freilich!“ Und der Alte fuhr fort: „Und sei so gut, thue auf mein tuchenes Gewand schauen, von wegen die Schaben, und schreib’ mir paar Zeilen, wie es Dir geht und was Neues ist, und für den Brief brauchst nicht zahlen. Und auf Dich kann ich nicht vergessen bis in den Tod, innigstgeliebte Margaretha, und so vielmal als Stern sein am Himmelszelt und Tropfen im Meer und Blümlein auf der Welt, sollst Du von mir gegrüßet sein. Halt mir nichts für Uebel, und ich schließe mein Schreiben im Schutze Gottes und verbleibe bis in’s kühle Grab

Dein

Johann Kinigl,
Corporal, 27. Infant.-Reg. König der Belgier.“

Der alte Schmiedrochel schüttelte sehr lange den Kopf. — „Von der Muhme das!“ sagte er endlich.