Da war es dem Josef immer, als ob er über das Gebirge und durch die Lüfte her die Antwort vernommen hätte: „Ja, komm’ nur!“
Zwar nicht zu selten schrieb er ihr Briefe mit Versen und blumigen Rändern, aber die letzte Zeit her wurden ihm ein paar gar nicht beantwortet. Er zweifelte zwar nicht an ihrer Treue, aber vielleicht hatte sie dieselbe im Laufe des halben Jahres einem Andern geschenkt. Haben nicht gerade die treuesten Mädchen der schönen Tugend genug, um Viele damit zu beglücken?
Im Frühjahr war’s, da wurde plötzlich das Regiment nach Wien abberufen. Josef jubelte über diesen Befehl — jetzt fährt oder marschirt er in wenigen Tagen an Mürzzuschlag vorüber, sieht seine Heimat und auch Minna wieder.
Ei, der Kaiserjäger denkt und der Oberst sagt: „Josef, das Regiment geht nach Wien, auch ich werde per Eilzug nach Wien abreisen; bleib Er indes da und hüte Er das Haus, längstens in zwei Tagen bin ich wieder hier. Was glotzt Er denn so blöd drein, Er, Er —“ Er gab dem Diener einen zweideutigen Namen, der indes Josef’s inneres Leidwesen weder vermehrte noch verminderte.
Der Kaiserjäger war so aufgeregt, daß er dem Alten nachschwor: „Geh’ nur, Oberst, ich vernichte Dir derweil Deine Austria!“
Aber die Austria ging auch mit nach Wien, nur die wahrhafte Austria, das Bild blieb, und der arme Josef blieb in diesem Krain, das — wie zum Trotze — alles Schöne sonst hatte, nur seine Minna nicht.
Der Oberst und seine Herrin waren fort, Josef war in den weiten, öden Gemächern allein. — Dann schlug er sich auf die Stirne und brüllte: „Wenn ich närrisch werde, so ist dieser Oberst schuld!“
Jetzt wirbelte der Tambour. Die Musik klang, das Regiment zog durch die Gassen dem Bahnhofe zu.