„Bis morgen vielleicht,“ sagte ich, „bekomme ich eine Marke?“

„Werden Sie die Uhr selbst holen?“

„Jedenfalls.“

„So brauchen Sie keine Marke. Haben Sie also die Güte, sich morgen im Laufe des Nachmittags anzufragen! ’schamster Diener!“

Ich stand wieder auf der Gasse und ich dachte nach, wie das sonderbar ist, wenn ein so reizendes Mädchen plötzlich zu einem „gehorsamen Diener“ wird.

Am andern Morgen zog sich der Lohndiener meines Hotels eine sehr ernste Rüge von mir zu, weil er meine Kleider nicht ganz in den gewünschten Zustand versetzt hatte.

Ich wollte heute einmal Alles sehr blank und glatt haben.

Der hübschen Uhrmacherstochter halber, meint Ihr? I bewahre! Ich hatte ja Besuche bei Freunden, bei Gönnern vor — und wenn’s auch ein wenig der Sackuhr wegen gewesen wäre, die ich heute abzuholen hatte! — Kurz und gut, der Lohndiener erhielt seine Rüge.

Unmittelbar nach dem Frühstück ließ ich mir die Haare schneiden und las dabei die Morgenblätter. Das ist von der Natur so weise eingerichtet, daß, während die Augen Morgenblätter lesen, die Ohren für den ewig sprudelnden Redequell des Friseurs frei sind. Nachdem dieser den Rapport entgegengenommen hatte, daß die Haare am Hinterkopfe glatt zu scheeren und vorn nur zu stutzen seien, begann er, begleitet von dem Wispern der Scheere, zu sprechen. Fast in einem einzigen Athemzuge sprach er vom Wetter, vom Theater, von Regenwürmern, von Arbeiterversammlungen, von Apolloseifen, vom Stefansthurme, von Schlafröcken, von der Pferdebahn, vom Donaubad u. s. w. — Plötzlich rief er aus: „Pardon!“

„Was haben Sie?“