Der Wolfl behauptete es. Zur Türkenzeit hätten sich die Leute vom Schlosse aus in diese Höhlen geflüchtet.

„Und jetzt kommt, jetzt sollt’ Ihr was Schönes sehen!“ sagte der Bursche, ließ mich eine hohe Leiter hinansteigen und führte mich durch eine sehr enge, feuchte Kluft, in welcher fallende Tropfen an der Fackel zischten. Dann krochen wir durch niedrige Engen, und nun erlosch plötzlich die Flamme. Jetzt waren wir in der dichtesten Finsterniß und weiß Gott wie tief unter der Erde! Der Wolfl lachte, stieß ein Brett beiseite, und siehe — das helle, holdselige Tageslicht und das weite Thal und der grüne Wald lächelten uns entgegen.

„Wen die Welt nimmer freut, der muß nur einmal in so ein Loch hinabkriechen,“ bemerkte mein Bursche, „hab’s allweg so gehalten, und letztlich ist Einem doch der helle Tag lieber wie Alles miteinander.“ Bauersleute thun sonst selten solche Reden, darum überraschten sie mich an diesem Burschen. „Ja,“ sagte er, „wenn’s Einem halt nicht gut geht, so denkt man über Vieles nach; und jetzt schaut Euch den Berg einmal von auswendig an, er ist nicht uneben, ist grün über und über; man soll’s nicht glauben, daß es da drin so schauderhaft sein kann.“

So hatte ich mit dem Wolfl Kirchberg und die Hermannshöhle gesehen. Als ich mich von dem tiefverzagten und doch schalkhaften Burschen trennte, sagte ich zu ihm: „Nur alleweil wacker, lieber Freund! Siehe, Du hast stetig den Berg vor Augen, den sie Wechsel heißen. Auch mit Dir kann sich noch ein guter Wechsel ereignen und ’leicht kommt doch noch ein Mann, der in der Wolfgangskirche Dir den Altar der Liebe baut.“

Es ist ein prophetisch Wort gewesen. Ein paar Jahre danach kam ich wieder in die Gegend, da hatte das alte Gotteshaus auf dem Hügel ein schimmerndes Schindeldach, und im Innern, wo der Schutthaufen gelegen, stand ein freundlicher Altar.

Ich weiß nicht, ob der brave Dechant des Ortes um das starre Gelöbniß des reichen Bauers wußte und ob ihn die Liebesnoth des armen Wolfl dauerte — doch er ließ milde Gaben sammeln und davon die alte Kirche wieder herstellen.

Zum Glücke war der Wolfl mittlerweile doch kein „Lump“ geworden, wie es sein heilig Fürnehmen gewesen, sondern ein braver, fleißiger Bursche geblieben. Und vor dem neuen Altar in der alten Wolfgangskirche ist er mit seinem Herzlieb getraut worden.

Heute mag er nimmer hinabsteigen in die Höhle, denn es freut ihn die Welt hier oben.