»Gut,« sagte der junge Journalist, schnellte den Band über den Bücherhaufen hin und geflissentlich auf die Photographie eines reizenden Mädchenkopfes, daß solche den Augen des Alten verborgen sei. »Gut, so werde ich einen Aufsatz über Weihnachtsgebräuche in den Alpen schreiben, von der Christmette, dem Krippel, den alten Hirtenliedern, von den zwölf Nächten, von dem Dreikönigssingen, von dem –«
»Lassen Sie das, es ist leergedroschenes Stroh, es fällt auch nicht ein Körnchen mehr heraus,« sagte der Chefredakteur.
»Also Weihnachten in der Großstadt, oder Weihnachten auf dem Meere oder in Rom, oder irgendwo, oder Weihnachten der Armen, oder auch Weihnacht eines alten Junggesellen, der –«
»Alles abgebraucht, lieber Freund. Sie sind zu den Zeitungsschreibern gegangen und haben keine Phantasie,« rief der Chef und ging mit verschränkten Armen rasch im Zimmer auf und ab. »Weihnacht ist ein Familienfest, da wollen die Leute etwas Gemütliches, Idyllisch-Heiteres, Naives haben, oder Rührsames, Erbauliches – irgend ein Festglockenläuten.«
Er blieb plötzlich vor dem jungen Doktor stehen, als ob ihm eine Idee gekommen wäre. »Schreiben Sie etwas über Menschenliebe!«
Der andere lachte auf.
»Gibt es denn da etwas zu lachen?«
»Nein, wahrhaftig nicht,« versetzte der Doktor. »Ich werde schreiben. Schreiben über die Liebe, die Gottes Sohn auf die Erde gebracht hat und die seither unter den Menschen waltet. Nämlich einen ganzen Tag im Jahre. Denken Sie sich ein Christfest, das zwei Tage dauern würde. Wie fatal! Drei Tage, das wäre schon unmöglich. An die Gaben und Liebesbezeigungen des Weihnachtsabends knüpft man rasch die Unzufriedenheit, die Mißgunst und Falschheit für die nächsten 364 Tage.«
»Vergessen Sie nicht, daß es auch Schaltjahre gibt,« bemerkte der alte Chef launig.