»Ja,« entgegnete nun der Priester, »ich habe seinerzeit von dieser Geschichte vernommen. Aber warum erzählst du nicht von dir?«
»Ja,« sagte der Gefangene: »hast du in John Peak denn nicht mich erkannt? Nicht wahr, dir graut? Mir auch, mein Herr, mir auch.«
»Nun bist du wohl zu Ende?«
»Fast. Was jetzt noch kommt, ist zahm. Ich floh zu den Wilden. Da ich schon früher ihre Sprache erlernt hatte, sie aber in jenem Scrub an mir das erstemal einen Weißen sahen und sich vor mir fürchteten, so gab ich mich für den Geist ihres Stammvaters aus, der aus der andern Welt zu ihnen zurückgekehrt sei, um ihnen zu verkünden, daß ein fremdes, furchtbares Volk gegen sie über das Meer heranziehe, welches den Blitz des Himmels und den Donner bei sich hätte. Sie haben mir geglaubt, haben mich in ihrer Weise angebetet, haben mich in eine große Höhle geführt und mir dort ihre Opfergaben zu Füßen gelegt. Merkst du den Witz des Schicksals? Nun war ich's, was ich einst auf den Heiden Irlands sein wollte: ein Prophet, ein Priester, ein Erzbischof. – Sie brachten mir das beste, was sie hatten, es war für mich kaum genießbar; ich sagte, ich sei bei Speise und Trank die Zubereitung der andern Welt gewohnt und bereitete sie, wie es die Weißen tun. Ich suchte die Wilden für meine Zwecke zu erziehen und galt als ihr Häuptling und Gott, gleichwohl manche unter ihnen waren, die mir nicht zu trauen schienen. Die Furcht hielt sie im Zaume. Ich suchte sie mit dem Speer, mit dem Bumerang, mit der Keule im Kampfe zu üben, um mir ein streitbares Heer gegen meine eigene Rasse heranzubilden.
So groß war in mir der Haß geworden. – Mein Vorhaben, die Wilden zum Kriege zu erziehen, war aber nicht durchführbar. Und weißt du, wer mich bei meiner Gefangennahme am Murray niedergeschlagen hat? Der Wilden einer, mein eigener Waffenträger. Er hätte mich gewiß getötet, wenn ich ihm nicht von den Soldaten entrissen worden wäre. – So bleibt es doch dir, mein alter Vaterstamm, anheimgestellt, an mir dein Richteramt zu vollführen. Jetzt entweiche ich nicht mehr auf flüchtigem Renner, jetzt leugne ich nicht mehr, daß ich schuldig bin, jetzt will ich nur eins, o Menschen, nur dieses eine versagt mir nicht!«
»Was ist dein letzter Wunsch?« fragte der Priester.
»Es ist der: Ich will nicht erwürgt werden mit dem Strick, ich möchte langsam, langsam sterben und mein Blut geben.«
Am nächsten Morgen, als der rote Schein lag über den Wässern des Ostens, wurde der Gefangene aus dem Kerker geholt und in den Hof des Gerichtsgebäudes geführt.
Als der Todgeweihte mitten im Hofe den Galgen sah und den Henker daneben, stürzte er sich kopfüber auf das Steinpflaster – und das rote Blut entströmte dem zerschmetterten Haupt.