Der fünfte Tag war ein Sonntag, da wurde Rast gehalten. Es ist aber keine Sonntagsruhe gewesen, die Leute waren unzufrieden und drangen in John Peak, ihnen doch endlich mitzuteilen, wann diese trostlose Gegend ein Ende nehme, wo die Goldfelder wären. John Peak hatte die Ungeduldigen zu vertrösten gewußt von Tag zu Tag und jetzt entgegnete er unwirsch, ob sie denn glaubten, daß er das Goldland herbeizaubern könne? Ob nicht auch er selbst, seine Leute und sein Vieh an dem Ungemache der Reise zu leiden hätten, ob er sie denn gebeten habe, mit ihm zu kommen, ob es nicht reine Gefälligkeit von ihm gewesen wäre, sie mit sich zu führen? Das sprach er vernünftig. Es ließ sich laut nichts darauf entgegnen, jedoch hinter seinem Rücken begannen die Männer zu murren: »John Peak hat den Weg verloren und will es nicht gestehen.« Ob er sich seiner Sache gewiß sei? wurde er befragt. Das wäre er. Er solle noch einmal den Brief seines Bruders zeigen. Er zeigte den Brief und da stand's: Am Murrumbidschifluß ein unbeschreiblich reiches Goldlager gefunden. Der Fluß mußte ja in dieser Gegend sein, nur war er unter anderen Schründen, die sich im wüsten Grunde hinzogen, schwer zu erkennen, da er ausgetrocknet sein konnte. Sie beruhigten sich also wieder. Die Menge der Goldsucher war bereits bis zu tausend Köpfen gestiegen. Das Lager wurde nicht abgebrochen. John Peak sandte Leute aus, angeblich nach der Besitzung seines Bruders. Mittlerweile zehrte die Menge von seinen Vorräten und zahlte ihm hohes Geld. So ging ein Tag um den andern hin und nun erhob sich eine Unruhe im Lager, die nichts Gutes ahnen ließ. Der Argwohn war da: Die ganze Goldgrubengeschichte wäre erfunden. John Peak habe die Leute in die Wüste verlockt, um seine Lebensmittel zu enormen Preisen zu verkaufen. Und in der Tat, die Lebensmittel wurden von Stunde zu Stunde knapper und stiegen im Preise, so daß viele, deren Barschaft zu Ende ging, bereits Hunger litten. Einzelne trennten sich von der Menge los und irrten in Sand und Scrub umher, in der Hoffnung, auf die geträumten Goldfelder zu stoßen. Man soll nichts mehr von ihnen gehört haben.

Im Lager wuchs die Aufregung, es kam zu einer Volksversammlung, in welcher die Vermutung des Verrates offen ausgesprochen wurde. Nach einer stürmischen Stunde schien es sichergestellt, daß die Menge nur in diese Öden geführt worden war, um dem Squatter die bereits im Verderben begriffenen Lebensmittel zu konsumieren. Um aber dem Manne nicht Unrecht zu tun, sondern vollständige Gewißheit zu erlangen, wurde beschlossen, auf Kosten der Versammlung eine Expedition auszuschicken, den vorgeschützten Bruder oder die Goldlager zu finden. John Peak sollte bis zur Rückkehr der Männer strenge bewacht werden.

Am folgenden Morgen wurde die Expedition, mit Lebensmitteln und guten Pferden versehen, abgelassen. Sie durchstrich die rotbraunen Flächen, fand weder Vegetation noch Wasser, weder Weg noch Steg, überall nur die nackten Granitfelsen, stellenweise knietiefen Sand und wirbelnden Staub. Soweit das Auge reichte kein grünes Blatt, kein Grashalm, nach allen Seiten hin nichts als grauer Himmel und brauner Sand.

Heiße Winde aus Nordwesten bliesen da und dort ein finsteres Gewölke heran, aber es waren nicht die willkommenen Wasserdünste, es war glühender Staub. Die Expedition soll viel gelitten haben, stieß aber am dritten Tage auf eine kleine Oase, wo sich eine Schafzucht befand. Es war die Gegend, wie sie von John Peak als der Wohnort seines Bruders verzeichnet worden. Die Männer fanden bei den Hirten freundliche Aufnahme; sie zogen ihre Erkundigungen ein und erfuhren erstens, daß hier kein Mensch wohne, der einen John Peak zum Bruder habe, und erfuhren, daß in dieser Gegend von einem Goldlager weder jemals eine Spur, noch eine Rede gewesen sei.

Die Expedition hatte ihren Zweck erreicht und trat die Rückreise an. Um der gefürchteten Sandwüste zu entgehen, wollte sie eine andere Richtung einschlagen, stieß aber auf grundlosen Morast des Murrumbidschi und auf undurchdringlichen Scrub. Von der Expedition erlagen zwei Mann. Auf der wieder betretenen Sandwüste stand eine weitere Überraschung bevor. Raubvögel umflatterten drei menschliche Leichen, die auf dem Rücken lagen und ihr Antlitz gen Himmel gerichtet hatten. Endlich hatte die Expedition sich zurückgefunden zu den weißen Zelten und sie erstattete Bericht, daß weit und breit kein Bruder des Squatter und keine Spur einer Goldmine entdeckt worden sei.

John Peak hatte den Brief seines angeblichen Bruders selbst geschrieben, um die Leute in die Wüste zu locken und bei ihnen seine Waren abzusetzen – John Peak wurde in aller Form zum Tode verurteilt. –

Der aufgeregten Menge hatte man vor das Zelt, in welchem Peaks Warenlager sich befand, ein Faß Rum gerollt, den Boden eingeschlagen und alles drängte sich vor, einen Becher des Getränkes zu erlangen. Bald war das Faß leer und auch ein zweites, ein drittes, dann wurde mit wildem Lärm das Warenlager gestürmt und jeder nahm, was ihm das Nächste war. Der eine trug einen Sack Reis fort, der andre einen Sack Zucker, der dritte eine Kiste Thee; andere Mehl, Butter, Schinken, Tabak. Jeder wollte sich nun entschädigen, und es ging toll zu im Wüstenlager.

Als man sich endlich nach dem Verurteilten umsah, um ihm zur Krone des Festes sein Recht anzutun, war der Vogel ausgeflogen. – Jetzt sahen sie den Flüchtling auf raschem Renner über die weite Ebene dahinjagen.«

So der Gefangene.