Sie standen am Bord, jener drüben, dieser hüben, und winkten sich mit den Taschentüchern zu. Die letzten Lebewohlrufe haben den gellenden Hafenlärm nicht mehr durchdringen können.
Welch plötzliche Wandlung. Wer hätte das vor einer halben Stunde gedacht! Herbert schaute auf Lissabon. Je mehr es zurückwich, je höher schien es aufzusteigen. Jetzt fiel ihm ein, was er noch alles hätte tun sollen. Besonders nach Hamburg depeschieren, daß er auf der Heimreise sei. Was hätte er dem Freunde noch alles zu sagen gehabt, dem Glücklichen, der jetzt schnurgerade, ohne Aufenthalt und Unterbrechung, seiner Braut entgegendampft, während ihm nach umständlicher See- und Landfahrt zu Hause ein außerordentliches Unglück erwartet.
Noch in der Bucht waren die beiden Schiffe in einer gewissen Entfernung nebeneinander hingefahren und die Freunde hatten mit den weißen Fähnchen ihrer Taschentücher ohne Unterlaß sich zugewinkt. Nun die hohe See erreicht, sah Herbert, wie der Dampfer »Neuyork« sich immer weiter von dem seinen entfernte und wie er als kleiner schwarzer Punkt unweit der Küste gegen Norden eingebogen hatte, während sein Schiff schnurgeraden Lauf gegen Westen nahm.
Herbert hatte seinen Handkoffer auf dem Deck unter eine Bank geschoben und suchte nun den Kapitän auf, um ihm zu sagen, daß er noch keine Fahrkarte lösen konnte, weil er sich erst im letzten Augenblick zur Reise entschlossen habe. Er wolle eine nach Brest.
Der Kapitän starrte ihn an von oben bis unten. »Sie wollen nach Brest?«
»Nach Brest eine Karte erster Klasse.«
Darauf mit yankeemäßiger Gelassenheit der Kapitän: »Dieses Schiff geht nach Neuyork.«
»Was sagen Sie?«
»Dieses Schiff geht nach Neuyork.«