Dieser Ritt durch die Stadt hat keine Erinnerung in mir hinterlassen, ich habe sicherlich nichts gesehen und nichts gehört, so erfüllt war ich von dem Schicksale meines Anton und meiner Mission. An der Pforte des Palastes sah ich die ersten Mohren; sie warfen sich auf den Bauch, als wir an ihnen vorbei die Treppe hinaufstiegen. Wir gelangten in eine dämmernde Halle mit schwarzen Wänden und schneeweißen Marmorsäulen. Das ganze Licht dieses Raumes schien von den weißen Säulen auszugehen, ich sah kein Fenster. Die folgenden Räume, die wir durchschritten, waren noch märchenhafter; aber mich entzückte keine Pracht, mich erschreckte sie nur, es war ja doch nichts als das Hohnlachen des Despoten.
Endlich standen wir vor schweren Vorhängen; ein wohliger, betäubender, völlig fremdartiger Geruch. Mein Konsul legte mir die Hand auf die Achsel: »Nur Fassung!«
»Ich habe Mut,« darauf meine hohlstimmige Antwort.
»Auch für das Schlimmste? Auch für das Beste? Wir sind im Orient!«
Die Vorhänge wallten zurück, mir war ganz traumhaft. Was jetzt geschah – man wird mir's nicht glauben können. – Aus einem Nebengemach schritt der Würdenträger, in einem reichverzierten Kaftan, rasch auf mich zu und fiel mir lachend um den Hals.
Ich schrak zurück, war starr und glotzte ihn an. – War er's? War er's selber? – »Das – das ist zu dumm!« schrie ich entrüstet über diese beispiellose Riesenfopperei. – Der Anton stand vor mir, mein Toni, meines Vaters Bruders Sohn!
»Gerettet? Gerettet?« rief ich, »so lass' mich zum Großwesir, daß ich ihm danke auf den Knien.«
»Bitte sich nicht zu genieren!« sagte er, trat einen Schritt zurück, kreuzte die Arme über der Brust und stand in seinem reichen Gewande mit vergoldetem Krummsäbel da wie ein indischer Fürst aus der Phantasie Scheherazades.
»Komödiant!« kreischte ich.